Goffin wirft hin: der belgische tennis-rebell verabschiedet sich mit klappernden knien

David Goffin hat gesagt, was längst in seiner Hüfte knackt. Nach 15 Jahren Profi-Tennis, nach sechs ATP-Titeln, nach dem Aus im Achtelfinale von Indian Wells, sagt der 35-Jährige: „Schluss mit Lustig.“ Ende 2026 lehnt er seinen Schläger gegen die Umkleidekabinenwand von Antwerp – und geht.

Der knie-platzt war das finale vor dem finale

Die Entscheidung reift nicht an einem Nachmittag. Sie reift in jedem Sprint zum Netz, in jeder Erinnerung an Nadal und Federer, die er 2017 in London nacheinander vom Platz fegte. Doch die Folter der letzten Saison – ein Meniskus, der sich wie ein altes Vinyl wieder und wieder überspringt – setzt dem Körper die Krone auf. „Ich habe dem Tennis alles gegeben“, sagt Goffin in seinem Video, „und der Sport hat mir zurückgegeben, was ich mir nicht einmal ausmalen konnte.“ Die Stimme bricht nicht. Sie klingt nur leer, als hätte jemand den Hall-Schalter umgelegt.

Die Zahlen sind knallhart: Weltranglisten-Platz 156, kein Grand-Slam-Hauptfeld mehr seit New York 2025, Challenger-Turniere statt O2-Arena. Die Erinnerungen sind weich: Platz sieben der Welt, vier Viertelfinals bei den Großen, ein David, der zwei Goliaths an einem Abend erledigt. Doch Erinnerungen zahlen keine Physiotherapeuten. Und so wird Goffin zum Jahresende zum letzten Mal durchs Netz blicken – und dann durchs Fenster seines Fitnessstudios in Limburg, wo die Laufbänder weiterlaufen, ohne ihn.

Ein land verliert seinen ersten top-ten-mann

Ein land verliert seinen ersten top-ten-mann

Für Belgien bedeutet das mehr als ein Abschied. Es bedeutet, dass die Fahnen an den Tennis-Clubs von Flandern bis Wallonien für einen Moment schlaffer wehen. Kein anderer belgischer Spieler schaffte es, Federer und Nadal an einem Tag zu schlagen. Kein anderer belgischer Spieler musste danach erklären, warum er gegen Dimitrov im Finale von London nicht noch einen Schritt weiter ging. Goffin war die Antwort auf eine Frage, die niemand kannte. Jetzt ist die Frage offen: Wer füllt das Vakuum?

Die Challenger-Tour wird ihn nicht vermissen. Die Jungs dort, die ihm die Bälle zuvor noch in die Füße knallten, werden ihn vermissen. Sie werden ihn vermissen wie man eine Straßenlaterne vermisst, die plötzlich ausgeht. Und die Fans? Die werden sich an den diminutiven Belgier erinnern, der mit dem Rückhand-Crosscourt den Gegner so oft in die Ecke nagelte, dass selbst die Linienrichter Mitleid bekamen.

Goffin selbst lacht im Video nicht. Er lächelt. Das ist der Unterschied zwischen einem, der aufhört, weil er muss – und einem, der aufhört, weil er weiß, dass der Körper keine Träume mehr pumpt. Ende 2026 wird er den Schläger an die Wand hängen. Die Wand wird ihn halten. Die Knie nicht.