Fatton und bussard zerstören das feld: gold-kanone in aserbaidschan läuft heiß

53,9 Sekunden. So viel Luft ließen Marianne Fatton und Thomas Bussard der Konkurrenz beim EM-Mixed in Shahdag. Die Schweizer Skibergsteiger-Elite lachte sich schon nach dem zweiten Wechsel ins Fell – das Rennen war gelaufen, bevor es richtig begann.

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Fatton legte als Startläuferin los wie eine Rakete. Nach ihrem zweiten Aufstieg blinkte schon die Streckenpostung: Führung. Was dann folgte, war kein Rennen mehr, sondern ein Solokonzert. Bussard, der zu Hause wegen der Olympia-Nicht-Nennung schuften musste, schaltet in Aserbaidschan einen Gang höher. Jedes Stück Spur, das er mit den Steigfellern bearbeitete, wurde zur Demonstration von Frust und Form.

Die Italiener Alba De Silvestro und Michele Boscacci schauten nur auf die Rücklichter. Die deutschen Hoffnungsträger Tatjana Paller und Finn Hösch landeten abgeschlagen auf Rang drei – 1:17 Minuten später. Eine Ewigkeit, wenn man bedenkt, dass die Strecke nur 3,8 km und 700 Höhenmeter misst.

Vier medaillen, zwei davon gold – und die karriere läuft noch

Vier medaillen, zwei davon gold – und die karriere läuft noch

Für Fatton ist es der vierte EM-Podestplatz, der zweite Goldtreffer binnen 48 Stunden. Nach dem Sprint-Coup am Mittwoch folgte jetzt der Staffel-Knaller. Die 29-Jährige steht damit allein an der Spitze der Schweizer Medaillenstatistik – und hat noch Lust auf mehr. „Ich fühle mich frisch, ich fühle mich schnell, ich fühle mich bereit“, sagte sie nach dem Zieleinlauf, während Bussard noch nach Luft rang.

Das Duo schmiedete den Plan erst vor drei Wochen in der Silvretta. Training, Test, Vertrauen. „Wir wussten, dass wir beide Tagesform haben, aber so dominant? Das haben wir uns nicht erträumt“, so Bussard, der mit Silber im Sprint selbst schon sein Ticket für die nächsten Weltcups gelöst hat.

Die gegner schauen in die röhre – und die saison wird heiß

Die Konkurrenz reist mit zerbeultem Selbstbewusstsein nach Hause. De Silvestro warf nach dem Ziel die Stöcke weg, Paller brauchte fünf Minuten, um überhaupt ein Wort zu finden. Die nächsten Rennen in La Thuile und Malbun stehen vor der Tür – und Fatton/Bussard haben Signal gesendet: Wer mitspielen will, muss mindestens eine Minute schneller werden.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Fatton hat in dieser Saison noch kein Rennen unter Platz zwei beendet. Ihre Siegquote liegt bei 71 %. Bussard steigt nach dem Olympia-Aus wie phönixartig auf – und will in den Weltcup-Fináls in Verbier den Vogel abschießen.

Die Skibergsteiger-EM in Shahdag ist Geschichte. Die Geschichte aber, die Fatton und Bussard schreiben, läuft erst im zweiten Kapitel. Wer ihnen die Krone nehmen will, braucht mehr als nur gute Beine – er braucht einen neuen Plan. Die Uhr tickt, der Vorsprung wächst.