Fan zhendon stürzt düsseldorf in tischtennis-fieber: boll spricht von bayern-syndrom

Er kickte Timo Boll achtmal in Serie, jetzt kickt Fan Zhendong die ganze Liga: Der chinesische Weltstar wechselt nach dieser Saison von Saarbrücken nach Düsseldorf – und verwandelt die Borussia innerhalb von Stunden zurück in das, was sie am liebsten ist: den Bayern München des Tischtennis.

Warum düsseldorf plötzlich wieder der gefährlichste klub deutschlands ist

Die Anekdote kommt direkt vom alten Feind. Timo Boll sitzt im Sport BILD-Interview, lacht zwischen zwei Sätzen und erzählt, wie Fan ihm vor drei Jahren an den Ärmel fuhr: „Ich will unbedingt mit dir zusammenspielen.“ Das Budget war leer, der Kader voll, der Traum vertagt. Jetzt zahlt Düsseldorf nach – und lässt Saarbrücken für ein Jahr die Rechnung offen.

Die Summe schwirrt durch die Halle: rund 250 000 Euro für zwölf Monate, plus Boni, plus China-Rechte, plus Merchandising in einer Stadt, in der laut Statistik jedes vierte Unternehmen chinesische Eigentümer hat. Fan ist kein Spieler mehr, er ist ein Standbein. „Mit ihm holst du nicht nur Punkte, du holst Flugtickets, TV-Gelder, Sponsorenverträge“, sagt Boll. Die Formel ist simpel: Wer Fan hat, hat Zugang zum 1,4-Milliarden-Markt. Wer Fan nicht hat, muss ihn stoppen.

Die Ironie: Bis Saisonende trägt der 27-Jährige noch das Trikot des FC Saarbrücken. Dann reist er mit genau diesem Klub ins Endspiel der ChampionsLeague – und könnte auf seinen künftigen Arbeitgeber treffen. „Er wird nichts schenken“, verspricht Boll, der als Dyn-Experte am Mikro sitzt. „Fan ist nervös vor jedem Match. Das ist sein Antrieb.“

Die stunde der superlative: 3500 tickets in 48 stunden weg

Die stunde der superlative: 3500 tickets in 48 stunden weg

Als Düsseldorf im Januar ein Testspiel gegen Saarbrücken in die Mitsubishi Electric Halle verlegte, war der Vorverkauf nach zwei Tagen leer. 3500 Zuschauer, Rekord seit 2019. Die chinesische Gemeinde in der Landeshauptstadt zählt offiziell 3700 Menschen, inoffiziell dreimal so viele. Sie kamen mit selbstgemalten Fan-Bannern, mit roten Fähnchen, mit Smartphones, die nicht aufhörten zu filmen. „Das haben wir in Deutschland so noch nicht gesehen“, sagt Boll. „Das ist keine Kulisse, das ist ein Statement.“

Die Liga reagiert sofort: Das Duell Düsseldorf gegen Saarbrücken wird am 14. April live in Peking übertragen – Startzeit 13.00 Uhr Ortszeit, prime time. Der Rechte-Paket-Preis für Asien steigt um 38 Prozent. Ein Klubmanager verrät: „Ohne Fan hätten wir 120 000 Euro kassiert, mit ihm sind es 400 000. Und das ist erst der Anfang.“

Timo Boll selbst wird 2025 offiziell 40, bleibt als Markenbotschafter, als Erinnerung an eine Ära, in der Düsseldorf 14 Mal in Folge deutscher Meister wurde. Jetzt schickt der Klub ihn nach Shanghai, nach Shenzhen, nach Chengdu – nicht als Spieler, sondern als Geschichtenerzähler. „Ich bin sein Türöffner“, sagt Boll. „Fan ist der Schlüssel.“

Am 28. Juni steigt das Finale der Bundesliga. Spielort: Düsseldorf. Sollte Saarbrücken es schaffen, tritt Fan dort erneut an – diesmal im Dress des Gegners. Die Halle bietet 5000 Plätze. Die Nachfrage liegt bereits bei 12 000 Anfragen. Die Entscheidung, wer neben dem Tisch sitzt, fällt nicht in der Halle, sondern in den Vorstandsetagen von Shanghai. Dort kennt man Bayern München als den Klub, der immer gewinnt. Für einen kurzen Sommer wollen sie in Düsseldorf dasselbe sein.