Euroliga-offensive in brüssel: kampf gegen die zersplitterung des europäischen basketballs

Die EuroLeague hat Dienstagabend das Europäische Parlament zur Kampfarena gemacht. Vor den Abgeordneten warnte Geschäftsführer Chus Bueno eindringlich vor einer Spaltung des Klub-Basketballs – ein deutlicher Seitenhieb gegen die Expansionspläne der NBA Europa.

Parlament wird zur drehbühne

Unter dem Motto „Stärkung des europäischen Basketballs: nachhaltiges Wachstum und Schutz des europäischen Sportmodells“ diskutierten Politiker, Ligachefs und Trainer über die Zukunft des Kontinents-Sports. Im Fokus: die Angst, dass die NBA mit einer eigenen Europaliga die bestehenden Strukturen zerstören könnte.

Vor dem offiziellen Termin traf sich Bueno mit EU-Kommissar Glenn Micallef, zuständig für Jugend, Kultur und Sport. Das Signal: Die EuroLeague will sich nicht kampflos die Macht über ihr Produkt nehmen lassen. Im Plenarsaal moderierte der spanische Abgeordnete Marcos Ros die hitzige Debatte und stellte klar: „Sport darf nicht zum reinen Geschäft verkommen.“

Joe Arlauckas, früherer Star und heutiger EuroLeague-Botschafter, betonte die kulturelle Eigenheit des europäischen Basketballs: „Wir haben eine einzigartige Kultur geschaffen, die über Jahrzehnte gewachsen ist. Die darf man nicht für kurzfristige Profite opfern.“

Die drohung aus übersee

Die drohung aus übersee

Die NBA plant, ab 2025 erste Regular-Season-Spiele in Europa auszutragen und langfristig eine eigene Ligastruktur aufzubauen. Für die EuroLeague bedeutet das: Top-Clubs könnten abwandern, TV-Gelder würden fragmentieren, die Nachwuchsarbeit leiden. Bueno sieht das Pyramidensystem in Gefahr: „Wenn sich die Elite abkapselt, bröckelt die Basis – und das Ganze stürzt ein.“

Die Zahlen sprechen für ihn: In der Saison 2022/23 stieg die EuroLeague-Zuschauerzahl um 27 %, die Social-Media-Reichweite kletterte auf 1,3 Milliarden Interaktionen. Ein Markt, der sich rapide entwickelt – und den die NBA mit Milliardenbudget nun bearbeiten will.

Giannis Sfairopoulos, griechischer Top-Coach und Vizepräsident des EuroLeague-Trainerrats, erinnerte daran, dass Basketball mehr ist als Spielzeit und Scouting: „Er wirkt in den Vierteln, in Familien, in der Jugendarbeit. Wer diese Pyramide zerstört, riskiert die soziale DNA des Sports.“

Die EU-Kommission hält sich vorerst bedeckt. Hausleur, Generaldirektor für Bildung, Jugend, Sport und Kultur, forderte „Dialog statt Konfrontation“. Doch hinter den Kulissen arbeiten EuroLeague-Vertreter an einem Gegenkonzept: gemeinsame Vermarktung, strengere Financial-Fair-Play-Regeln und ein Fonds für Nachwuchsprojekte.

Die Uhr tickt. Wenn die NBA im Herbst 2024 ihre Pläne offiziell vorstellt, muss die EuroLeigue liefern. Sonst droht ein Kalten Krieg auf dem Parkett – und am Ende verliert der europäische Basketball, wie wir ihn kennen.