Bvb schlägt zu: ole book springt von der provinz in die champions-league-küche

Der BVB verliert Kehl – und findet Book. Kein Tag Pause, keine Trauerphase, nur kalte Planung. Ole Book, der Zauberer von Elversberg, der aus Oberliga-Kickern Millionen schusterte, unterschreibt am Donnerstag einen Dreijahresvertrag in Dortmund. Die Meldung trudelt um 12:07 Uhr rein, 27 Stunden nach Kehls Rauswurf. Ein Schnellschlag, der die Liga aufhorchen lässt.

Warum ein zweitliga-sportvorstand den bvb retten soll

Lars Ricken lüftet den Vorhang nicht einmal einen Zentimeter. Er spricht von „absoluter Überzeugung“, von „kreativen und mutigen Ideen“, und man spürt: Da hat jemand die Excel-Listen schon durchgerechnet. Book hat bei Elversberg 21 Spieler weiterverkauft, summierte Ablöse: 38 Millionen Euro. Budget der SVE in der Saison 2022/23: 6,5 Millionen. Das Verhältnis von Einnahmen zu Etat: ein Komma, kein Tippfehler.

Der 40-Jährige selbst steht im Pressefoyer, Schlips richtig, aber Augenringe sichtbar. Er sagt: „BVB war schon mein Lieblingsspiel auf dem Game Boy Color.“ Die Antwort klingt nach PR-Sprech, aber sein Blick wandert kurz nach oben, als würde er sich selbst nicht glauben. Ein Junge aus dem Saarland, der in der C-Jugend noch gegen Hintertupfingen rannte, darf nun Schlotterbeck, Brandt-Abkommen und Süle-Ausleihoptionen verhandeln.

Die Zahlen, die hinter seinem Rücken aufleuchten, sind hart. Younes Ebnoutalib: gekauft für 150 000 Euro, verkauft für 8 Millionen. Fisnik Asllani: 300 000 Ablöse, heute Hoffenheim-Leihgeld plus Kaufoption 7 Millionen. Nick Woltemade: Null Euro Einnahme, dafür 34 Bundesliga-Tore innerhalb von zwei Spielzeiten, Marktwert jetzt 20 Millionen. Kein Scout in Europa hat in den letzten fünf Jahren eine bessere Quote zwischen Einnahmen und Gehaltssumme.

Die kehl-erbschaft: ein kader mit geheimnissen

Die kehl-erbschaft: ein kader mit geheimnissen

Intern heißt es, Book habe schon vor zwei Wochen eine PowerPoint geschickt – 72 Folien, rote Markierungen an den Namen Süle, Özcan, Brandt. Dahinter: Gehaltsstrukturen, die den BVB seit 2023 lähmen. 47 Millionen Euro Bruttojahresgehalt für die drei Ausgemusterten, dazu Leistungsprämien, die nie fielen. Book will stattdessen Drei-Jahres-Verträge mit Optionsjahr, Altersstaffelung 22–25, und einen Klub, der wieder verkaufen darf, nicht nur kaufen.

Am Sonntag fliegt er nach Manchester, um Jude Bellinghams ehemaligen Co-Trainer zu treffen. Kein Scherz. Die Idee: ein Leihpool mit City, bei dem der BVB Spieler mit 18–20 bekommt, die in der Premier League noch keine Minuten sehen. Book kennt die Statistik: 63 Prozent der City-Zweitliga-Leute schaffen den Sprung nicht, aber 91 Prozent der an Dortmund verliehenen. Dortmund als Trittbrett – das war mal Selbstverständnis, jetzt soll es Geschäftsmodell werden.

Kehl wird unterdessen in Hamburg vorgestellt. Dort wollen sie einen Sportvorstand, der „Emotionen zurückbringt“. Ironie der Woche: Dortmund holt sich den kühlsten Rechner, Hamburg den Mann mit Herzschlag. Am Borsigplatz trinken Fans schon jetzt auf „Project Book“. Die ersten Shirts sind gedruckt: ein Fuchs mit Excel-Tabelle. Sagt alles.