Er verkauft sein haus für die three lions: 400.000-euro-wahnsinn für england-trip

Andy Milne zieht die Notbremse seines Lebens. Der 62-jährige Superfan aus Staffordshire hat seine Zweitimmobilie in Northwich für umgerechnet 400.000 Euro inseriert – nicht wegen Schulden oder Scheidung, sondern damit er jeden einzelnen Akkord der England-Klappe bei der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko miterleben kann. „Ich will dabei sein, wenn die Trophäe endlich nach Hause kommt“, sagt er knapp und bestellt schon mal den Koffer mit den 40 Jahre alten Union-Jack-Socken.

Milne ist kein schnösel – er war schon bei 150 auswärtsspielen dabei

Seine Obsession begann 1982 in Spanien, damals als blutjunger Teenager ohne Pfennig in der Tasche und prompt bestohlen. Seitdem verpasste er keine WM, keine EM, kein Testspiel in San Marino. Die FA ließ ihn deshalb auf die „Supporter Roll of Honour“ – eine Liste, die länger ist als der Thames und auf der nur Namen stehen, die mindestens 50 Auswärtsspiele live gesehen haben. Milne ist bei 150, Tendenz steigend.

Die Rechnung für den Sommer 2026 liest sich wie ein Katalog für Luxusreisen: Flug nach Los Angeles, Weiterflug nach Vancouver, Zug nach Mexiko-Stadt, Hotels, Tickets, Bier, Souvenirs. „Sieben Wochen Unterwegssein kostet ein Vermögen, aber ich spare schon seit dem letzten Turnier“, sagt er. Die Qatar-Reise hatte er sich mit Überstunden und dem Verzicht auf Weihnachtsgeschenke finanziert. Diesmal reicht das nicht. Die zweite Hütte muss her, die er seit 27 Jahren vermietet und die ihm nun die nötige Liquidität verschafft.

Die fifa plant 104 spiele – für ihn ein marathon, für seine bank ein albtraum

Die fifa plant 104 spiele – für ihn ein marathon, für seine bank ein albtraum

Die WM 2026 wird mit 48 Teams die größte aller Zeiten. Milne will mindestens 30 Spiele sehen, unter anderem das Eröffnungsspiel in Los Angeles, das mögliche Achtelfinale der Three Lions in Seattle und, so sein Traum, das Finale im MetLife Stadium in New Jersey. „Ich habe schon ein Pfandflaschen-Sammel-System mit meinen Enkeln aufgestellt“, lacht er, „die denken, Opa ist ein bisschen verrückt, aber sie lieben es.“

Die Immobilienagentur in Cheshire bestätigt, dass das Interesse an der 150-Quadratmeter-Villa enorm ist. „Wir haben innerhalb von 48 Stunden 17 Besichtigungstermine“, sagt Maklerin Laura Higgins. „Die Leute wollen wissen, ob der Verkauf echt ist – oder ob dahinter ein Reality-TV-Deal steckt.“ Kein Deal, nur purer Fanwahn.

Die fa schickt ihm eine sonderkarte – und elvis wartet in memphis

Die fa schickt ihm eine sonderkarte – und elvis wartet in memphis

Die englische Fußballassociation hat Milne bereits eine „Lifetime Supporter Card“ zugeschickt, die ihn bei allen offiziellen Länderspielen garantierten Zugang verschafft. Für die WM bekommt er zusätzlich ein Paket mit Tickets für alle Gruppenspiele plus Achtel- und Viertelfinale. „Ich werde wie ein König reisen“, schwärmt er und zeigt auf seine Bucket-List: neben dem Spiel in Dallas steht auch ein Abstecher nach Graceland, um Elvis‘ Grab zu besuchen. „Der King und die Three Lions – das passt zusammen, oder?“

Kritik an der Haus-Entscheidung? „Meine Tochter sagt, ich sei senil“, grinst er, „aber sie wird sehen: Wenn England endlich den Pokel hebt, bin ich auf der Ehrentribüne und alle zuhause schauen mich im Fernsehen.“ Die Summe von 400.000 Euro sei nur Geld, „Erinnerungen kann dir keiner nehmen“.

Am ende zählt nur der pokal – und die geschichten, die er erzählt

Am ende zählt nur der pokal – und die geschichten, die er erzählt

Milne plant schon den Rückflug. „Wenn wir gewinnen, bleibe ich ein paar Tage länger, feiere in New York und fliege dann mit dem Pokal im Handgepäck heim.“ Falls nicht? „Dann verkaufe ich vielleicht mein Auto und fahre 2030 nach Marokko. Fußball ist wie Heroin – du kommst nicht mehr los.“ Die Notare unterschreiben Ende Mai, die Koffer stehen schon gepackt im Flur. Am 3. Juni startet der Wahnsinn, und irgendwo zwischen Toronto und Tijuana wird ein Mann mit grauem Bartschatten stehen, Union-Jack-Cape, Dosenbier in der Hand und die Hymne mitsingen, als gäbe es kein Morgen. Für die Three Lions, für die Geschichten – und für sich selbst.