Eiskunstlauf-legende sonja henie: mehr als nur gold?
Vor 114 Jahren erblickte die Welt eine Sportlerin, die das Eiskunstlaufen für immer verändern sollte: Sonja Henie. Ihre Erfolge sind unbestritten, ihre Karriere gleichermaßen glanzvoll wie umstritten. Doch wer war die Frau hinter der kühlen Fassade, dem Mythos der „Pawlowa des Eises“?
Ein außergewöhnliches talent in jungen jahren
Die Geschichte beginnt in Oslo, am 8. April 1912. Es war kein Zufall, dass Sonja Henie so früh sportliche Höchstleistungen erbrachte – ihr Vater, Wilhelm Henie, war selbst ein erfolgreicher Bahnradfahrer und Eisschnellläufer. Bereits mit elf Jahren gab sie ihr Debüt bei den Olympischen Spielen in Chamonix 1924, ein Wettkampf, der noch zu früh kam. Überliefert ist, dass sie während der Kür den Faden verlor und ihren Trainer um Rat fragte – und beim Sturz das unglückliche „Hoppla“ rief, was ihr den Spitznamen „Fräulein Hoppla“ einbrachte. Ein despektierlicher Titel, der jedoch ihre frühe Karriere prägte.

Von nazi-huldigungen und hollywood-glamour
Henie war ihrer Zeit voraus – nicht nur sportlich, sondern auch finanziell. Schon als Teenager wusste sie, wie man aus ihrem Talent Kapital schlagen konnte. Doch ihre Erfolge waren nicht ohne Schattenseiten. Die Huldigung durch das NS-Regime in Garmisch-Partenkirchen 1936, wo sie ihren dritten Olympiasieg feierte, wirft bis heute Fragen auf. Hitler persönlich überreichte ihr die Goldmedaille, und Henie ließ sich zudem zu Essen auf den Berghof einladen. Ein Verhalten, das ihr viele Norweger lange vorwarf.

Die „queen of ice“ erobert hollywood
Doch Henie war mehr als nur eine Sportlerin. Nach ihrem Triumph in Garmisch nutzte sie ihre Chance und unterschrieb einen lukrativen Vertrag bei 20th Century Fox. Mit gerade einmal 24 Jahren wurde sie zu einer der bestbezahlten Schauspielerinnen Hollywoods. Filme wie „One in a Million“ katapultierten sie in den Star-Himmel, obwohl sie dabei stets großen Wert auf die Kontrolle über ihre Eiskunstlaufnummern legte. Von 1937 bis 1948 entstanden zwölf erfolgreiche Eisrevue-Filme, die ihre Karriere festigten. Ihr Erfolg war durchschlagend und veränderte das Bild der Eiskunstläuferin nachhaltig.

Ein leben voller kontroversen und leidenschaft
Sonja Henies Leben war geprägt von Affären mit Stars wie Joe Louis und Tyrone Power, von finanziellem Erfolg und von umstrittenen Entscheidungen. Ihre Biografie „Queen of Ice, Queen of Shadows“ zeichnete ein Bild von einer Frau, die besessen von Geld und Sex war – eine Darstellung, die bis heute diskutiert wird. Ansgar Molzberger hingegen beschrieb sie als eine Pionierin, die in einer von Männern dominierten Welt ihren eigenen Weg ging und dabei „ihr Ding durchziehen“ musste.
Am 12. Oktober 1969, im Alter von nur 57 Jahren, beendete Sonja Henies Leben einen jähen und tragischen Abschied in einem Flugzeug auf dem Weg nach Oslo. Die Legende blieb zurück – eine Legende, die bis heute fasziniert und polarisiert. Ihr Vermächtnis im Eiskunstlauf ist unbestritten, ihr Leben ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Normen und Erwartungen ihrer Zeit.
