Eiskunstlauf-legende sonja henie: mehr als nur triumphe auf dem eis
Vor 114 Jahren erblickte die Welt eine Athletin, die den Eiskunstlauf für immer verändern sollte: Sonja Henie. Ihre Erfolge sind legendär, doch hinter dem glitzernden Image einer Hollywood-Diva verbarg sich eine komplexe Frau, deren Leben von Triumph, Kontroversen und Geschäftstüchtigkeit geprägt war. Eine Frau, die bis heute polarisiert.
Die tochter eines bahnrad-weltmeisters erobert die eisbahnen
Wilhelm Henie, der Vater von Sonja, war nicht nur ein erfolgreicher Pelzhändler, sondern auch ein Bahnrad-Weltmeister und Eisschnellläufer. Es überrascht kaum, dass seine Tochter früh in seine Fußstapfen trat. Bereits als Elfjährige wagte Sonja 1924 ihr Debüt bei den Olympischen Spielen in Chamonix – ein Wettkampf, der für sie noch zu früh kam. Ein Sturz und die Notwendigkeit, vom Trainer instruiert zu werden, zeigten ihre Nervosität, doch der Funke war entfacht.
Der Spitzname „Fräulein Hoppla“, den sie sich durch einen unglücklichen Ausruf bei einem Sturz in Berlin verdiente, mag abwertend klingen, doch er konnte ihren Aufstieg nicht aufhalten. In den folgenden Jahren dominierte sie den Eiskunstlauf wie kaum eine andere Athletin. Sie gewann drei olympische Goldmedaillen in Folge (1928, 1932 und 1936) und zehn Weltmeisterschaften. Eine Bilanz, die bis heute ihresgleichen sucht.

Die nähe zum ns-regime: ein dunkles kapitel
Besonders umstritten bleibt Sonjas Verhalten während der Olympischen Spiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen, die von den Nationalsozialisten inszeniert wurden. Die blonde Norwegerin passte perfekt in das Bild des „arischen Ideals“ und wurde von Hitler höchstpersönlich mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Auch die Einladung zum Essen auf den Berghof in Obersalzberg und das erhaltene Foto mit Autogramm und Widmung zeigen eine auffällige Nähe zum Regime. Diese Verbindungen verfolgten sie bis weit nach Kriegsende und führten zu heftiger Kritik in ihrem Heimatland Norwegen.

Von der eiskönigin zur hollywood-diva
Doch Sonja Henie war mehr als nur eine Sportlerin. Sie verstand es, ihre Popularität zu nutzen und sich erfolgreich in Hollywood zu etablieren. Nur wenige Monate nach ihrem Olympiasieg in Garmisch unterschrieb sie einen lukrativen Vertrag bei 20th Century Fox und wurde zu einer der bestbezahlten Schauspielerinnen der Welt. Sie bestand darauf, ihren Namen bereits in ihrem ersten Film über dem Titel zu platzieren – ein Zeichen ihres selbstbewussten Auftretens und ihrer Geschäftstüchtigkeit. Ihre Eisrevue-Filme, die von 1937 bis 1948 entstanden, waren ein großer Erfolg und machten sie zu einer Ikone des Filmgeschäfts.

Ein leben voller kontraste und skandale
Sonjas Leben war geprägt von Kontrasten: Erfolge und Misserfolge, Bewunderung und Kritik, Liebe und Skandale. Ihre Affären mit verschiedenen Partnern, darunter der Boxlegende Joe Louis und der Schauspieler Tyrone Power, sorgten immer wieder für Schlagzeilen. Nach ihrem Tod im Jahr 1969 sorgte ihre Biografie für Aufsehen und zeichnete ein Bild einer Frau, die von Geld und Sex besessen gewesen sei. Doch Ansgar Molzberger lieferte in einem Porträt im Deutschlandfunk ein differenzierteres Bild: „Beim Mann hätte man vielleicht gesagt, er hat seine Karriere vorangetrieben, und im Frauenbild der damaligen Zeit wird dann gesagt, das ist aber mit Ellbogen und rücksichtslos.“
Sonja Henie starb im Alter von nur 57 Jahren an Leukämie während einer Reise nach Paris. Ihre Legende lebt jedoch weiter – als eine der größten Eiskunstläuferinnen aller Zeiten und als eine Frau, die mit ihrem Leben und ihrer Karriere Maßstäbe setzte, auch wenn sie dabei nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens stand. Ihr Vermächtnis ist ein Spiegelbild einer Epoche, in der Frauen um Anerkennung und Selbstbestimmung kämpfen mussten – und Sonja Henie, die „Pawlowa des Eises“, war zweifellos eine ihrer Pionierinnen.
