Eiskunstlauf-legende sonja henie: mehr als nur gold?
Vor 114 Jahren erblickte die Welt eine Athletin, die den Eiskunstlauf für immer verändern sollte: Sonja Henie. Ihre Erfolge sind unbestritten, ihre Karriere gleicht einem Märchen. Doch hinter der glitzernden Fassade einer Eiskönigin verbarg sich eine komplexe Persönlichkeit, deren Leben bis heute Fragen aufwirft und polarisiert.
Die "pawlowa des eises" und ihre kontroversen
Drei olympische Goldmedaillen, zehn Weltmeistertitel, sechs Europameistertitel – die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Henie dominierte den Eiskunstlauf in den 1920er und 1930er Jahren auf eine Art und Weise, die bis heute ihresgleichen sucht. Sie revolutionierte den Sport mit ihrer Eleganz und ihrem ballettartigen Stil, der ihr den Spitznamen „Pawlowa des Eises“ einbrachte. Doch ihr Ruhm war stets von Kontroversen begleitet. Ihre Nähe zum NS-Regime, insbesondere die Einladung zum Essen auf den Berghof und die Übergabe eines signierten Fotos durch Hitler, wirft bis heute einen dunklen Schatten auf ihr Erbe.
Schon früh zeigte sich, dass Henie nicht nur eine außergewöhnliche Athletin, sondern auch eine scharfsinnige Geschäftsfrau war. Als elfjährige Debütantin bei den Olympischen Spielen in Chamonix 1924 verlor sie zwar den Faden, doch der Mythos war geboren. Die Anekdote vom verhaspelten „Hoppla“ nach einem Sturz, der ihr den Spitznamen „Fräulein Hoppla“ einbrachte, zeugt von der teils spöttischen, teils bewundernden Art, wie sie von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde.

Hollywood-karriere und finanzielle unabhängigkeit
Der dritte Olympiasieg 1936 in Garmisch-Partenkirchen markierte nicht das Ende, sondern den Beginn eines neuen Kapitels. Henies Sprung nach Hollywood war ein Coup. Mit einem Vertrag bei 20th Century Fox, der ihr bereits in ihrem ersten Film den Titel zu teilten und eine Gage von 125.000 Dollar einbrachte, wurde sie über Nacht zu einer der bestbezahlten Schauspielerinnen der Welt. Ihre Eisrevue-Filme, von ihr selbst choreografiert und in der Hauptrolle gespielt, begeisterten ein Millionenpublikum und machten sie zu einem internationalen Star.
Ihr Erfolg war immens: Von 1937 bis 1948 entstanden zwölf Eisrevue-Filme, die ihre künstlerische Vision widerspiegelten. Henie war ihrer Zeit weit voraus, erkannte früh das Potenzial ihres Könnens und nutzte es geschickt. Sie veränderte den Eiskunstlauf und das Bild der Frau im Sport nachhaltig.
Ihre Liebesaffären mit Jack Dunn, Stewart Reburn, Joe Louis, Tyrone Power und Van Johnson sorgten für Schlagzeilen und trugen zu ihrem mythischen Status bei. Die Biografie „Queen of Ice, Queen of Shadows“ zeichnete ein facettenreiches, teils düsteres Bild ihrer Persönlichkeit, das von Geldgier und Ehrgeiz geprägt war.
Ansgar Molzberger beschrieb sie treffend: „Beim Mann hätte man vielleicht gesagt, er hat seine Karriere vorangetrieben, und im Frauenbild der damaligen Zeit wird dann gesagt, das ist aber mit Ellbogen und rücksichtslos.“
Sonja Henie starb am 12. Oktober 1969 in Paris, nur wenige Tage vor ihrem 57. Geburtstag, an Leukämie. Ihre Beerdigung in Oslo wurde zu einer Trauerfeier für eine Legende. Die Zahl ihrer Erfolge ist unbestritten, die Frage nach ihrer moralischen Integrität wird die Geschichtsschreibung weiterhin beschäftigen.
