Eisenach gegen die löwen: móré zurück, büchner begehrt – knallspiel unter der wartburg

19 Uhr, Werner-Aßmann-Halle, 3.000 Fans, ein Hallendach, das bei jedem Gegentor bebt – und mitten drin ein David Móré in Lila-Weiß, der gegen die Rhein-Neckar Löwen aufläuft, die ihn drei Monate zuvor noch als Hoffnungsträger feierten. Der 21-jährige Linksaußen ist der Top-Transfer des ThSV Eisenach, doch heute ist er vor allem eins: ein Reizthema.

Vincent Büchner kennt das Gefühl. Der Eisenacher Flügelspieler war in Kiel schon länger auf dem Zettel, nun soll der 24-Jährige das nächste deutsche Nationalteam-Talent werden, das den Thüringer Provinzkub nach ganz oben schießt. Gegen die Löwen kann er beweisen, dass aus dem Interesse mehr werden kann als heiße Luft.

Maik machulla warnt vor der „wartburg-trommel“

„Die Halle kocht, unfair wird es aber nie“, sagt der Löwen-Coach, der schon 1997 als Spieler unter der Wartburg stand und heute mit einer jungen Mannschaft anreist. Drei Auswärtssiege in Serie, dazu die beste Abwehr der Liga – trotzdem rechnet er mit einem Fegefeuer. „Wer Eisenach nicht kennt, wird es heute lernen.“

Seine größte Sorge: Jannik Kohlbacher. Der Kreisläufer traf zuletzt neunmal in Göppingen, läuft die Halbpositionen leer und schafft Raum für Haukur Thrastarson und Dani Baijens. Eisenachs Trainer Sebastian Hinze nimmt die Drohkulisse gelassen: „Für mich ist es ein normales Spiel. Ich kenne viele Gesichter, will aber nur drei Punkte.“

Die Wahrheit steckt in der Statistik: Eisenach kassierte am Montag bei 52 Prozent Wurfquote eine unnötige Niederlage, die Löwen sind seit fünf Spielen ungeschlagen. „Wir müssen die Lücken finden, die sich durch Tempo ergeben“, sagt Rechtsaußen Moritz Ende. Seine Forderung: 60 Procent Trefferquote, sonst wird es eng.

Patrick groetzki fehlt wohl – heymann soll es richten

Patrick groetzki fehlt wohl – heymann soll es richten

Knapp 24 Stunden vor Anpfiff steht ein Name auf der Unsicherheitsliste: Patrick Groetzki. Der Routinier war wegen grippaler Infekte drei Tage außer Gefecht, am Mittwoch erst wieder auf dem Ergometer. Maik Machulla nennt Sebastian Heymann deshalb zur „echten Option“ auf der rechten Außenbahn. Eine Junge- gegen Alte-Story, denn auf der Gegenseite plant David Móré gerade seinen ersten Old-Club-Knockout.

Die Fans haben schon mal ihre Meinung gezeigt: Das Sondertrikot zur Wiedervereinigung bleibt heute in der Kiste, stattdessen flattern 3.000 lila Scarfes durch die Halle. „Wir wollen den Gästen von der ersten Minute einen Schlag verpassen“, sagt Kapitän Stephan Seitz. Der ThSV hat in dieser Saison schon TBV Lemgo und SC Magdeburg geschlagen – die Löwen wären der nächste Coup.

Kurz vor dem Anpfiff schließt sich der Kreis: Móré gegen Groetzki oder Heymann, Büchner gegen Thrastarson, Kohlbacher gegen Eisenachs Doppel-Deckung. Die Causa Transfer, die Causa Play-off. Für Christian Schneider auf der Tribüne gibt es nur eine Konstante: Unter der Wartburg zählt kein Namensschild, nur der nächste Treffer. Die Saison ist jung, aber dieses Spiel könnte Eisenach auf Platz vier katapultieren – oder die Löwen auf Spurkurs halten. 60 Minuten Tempo, 60 Minuten Trommel, 60 Minuten purer Handball. Punkt.