Odermatt krönt sich vorzeitig: courchevel reicht ein dritter platz für doppel-kugel

Die Abfahrt von Courchevel war eigentlich nur Formsache. Marco Odermatt fuhr aufs Podest, schloss die Faust – und hatte zwei weitere Kugeln in der Tasche. Mit fünf Gesamtweltcups nacheinander zieht der Schweizer mit Marc Girardelli gleich, der Rekord von Marcel Hirscher rückt näher.

Die Rechnung war simpel: Platz drei in der französischen Speed-Metropole, und die große wie die kleine Kristallkugel sind nicht mehr zu nehmen. Vincent Kriechmayr nahm zwar den Tagessieg mit, brach Österreichs 23-Rennen-Fluch in der Abfahrt, doch die Story gehörte einmal mehr dem 28-jährigen Nidwaldner. Noch bevor er ins Starthaus trat, war die Abfahrtswertung fix – Franjo von Allmen war gestürzt, die Sonne hatte die Piste weich werden lassen, und Odermatt musste nur noch durchs Ziel kommen.

Österreichs abfahrts-seuche endet mit kriechmayr

Kriechmayr biss sich nach 0,09 Sekunden Vorsprung auf Giovanni Franzoni durch. Für den 32-Jährischen war es der erste Abfahrts-Sieg seit 2020 – und der erste für ein österreichisches Herren-Team seit Matthias Mayer in Kitzbühel vor exakt 1 073 Tagen. Raphael Haaser wurde als Fünfter bester Österreicher, direkt vor Daniel Hemetsberger – ein Mannschaftserfolg, wie ihn die Alpenrepublik lange nicht mehr feierte.

Odermatt selbst schien selbst nach dem Auszählen der Zwischenzeiten kaum nervös. 632 Punkte Vorsprung auf Lucas Pinheiro Braathen, acht Rennen noch zu fahren – selbst eine komplette Fehlplanung würde den Triumph nicht mehr gefährden. Die Frage lautet nicht mehr, ob er die Saison dominiert, sondern wie lange diese Ära dauert.

Girardelli-rekord egalisiert – hirscher kommt in sichtweite

Girardelli-rekord egalisiert – hirscher kommt in sichtweite

Mit fünf großen Kugeln gleicht er Girardelli aus, mit acht liegt Hirscher vorne. Die Devise ist klar: Ein Winter wie dieser reicht, um die Lücke zu halbieren. Die restlichen Disziplinen Super-G und Riesenslalom hat er ebenfalls fest im Griff – sollte er auch dort zulegen, wäre das historische Maximum von acht Kugeln in Reichweite.

Franjo von Allmen blickte nach seinem Ausscheiden auf die warme Piste: „Für mich war es heute viel zu warm. Du verlierst die Ideallinie, danach wird’s schmierig.“ Die Worte klangen wie ein Resümee auf eine Saison, in der nur Odermatt die Bedingungen zu kontrollieren scheint – egal, ob Eis oder Slush, Rekord oder Routine.

Am Samstag geht’s in Courchevel mit dem Super-G weiter. Die Kugeln stehen, die Konkurrenz nicht. Für Marco Odermatt beginnt jetzt die Jagd auf Jahreszeiten, nicht mehr nur auf Rennen.