Eisbären gegen fischtown: jetzt zittert ganz berlin um den letzten play-off-platz

48 Stunden bis zum Aus. Die Hauptrunde ist ein Kreislauf aus Hoffen und Rechnen, doch für die Eisbären Berlin und die Fischtown Pinguins komprimiert sich die Saison auf ein einziges Duell: Wer landet auf Platz 6, wer muss in die Quali? Berlin führt mit zwei Punkten, Bremerhaven hat das leichtere Programm. Die Stadt tauscht sich in WhatsApp-Gruppen aus: „Wenn wir Köln schlagen, schaffen wir alles“ – das war vor einer Woche. Jetzt steht die Rechnung: Sieg gegen Mannheim + Sieg gegen München = direkt im Viertelfinale. Alles andere wäre ein K.o.

Der lauf nach der pause: warum berlin plötzlich wieder glüht

Serge Aubin sprach von einem „ziemlich kompletten Spiel“, und er log nicht. Seit der Olympia-Pause haben die Eisbären vier der fünf Partien gewonnen, zwei davon gegen Spitzenreiter Köln und Verfolger Nürnberg. Andreas Eder versenkte die Haien mit einem Handgelenksschuss, 5:4 in Nürnberg, 3:2 gegen Köln – die Kabine tobte wie vor drei Jahren, als der Titel noch in der Luft lag. Die Zahlen dahinter: 33,8 % Powerplay-Quote seit Mitte Februar, dazu 91,7 % Penalty-Killing. Das ist kein Zufall, das ist ein Kader, der merkt, dass die Uhr tickt.

Doch der Schein trügt. Die Stärke der Berliner ist ihre Schwäche: Sie brauchen Tempo, um zu glühen, aber genau dieses Tempo zieht Lücken. Gegen Köln lag die erwartete Tore-Bilanz nach 60 Minuten bei 3,8:3,1 – ein Offensivfeuerwerk, das fast nach hinten losging. „Wir haben Glück gehabt, dass unsere Torhürtel in den letzten Minuten den Puck gefunden haben“, sagte Eder nach dem Spiel. Er sprach es offen aus: Berlin lebt von der Klinge.

Fischtowns heimliches pfund: gudlevskis und das leichte programm

Fischtowns heimliches pfund: gudlevskis und das leichte programm

Während in Berlin die Seile glühen, trainiert Kristers Gudlevskis in Bremerhaven mit der Ruhe eines Mannes, der weiß, dass das Schicksal in seinen Handschuhen liegt. Sein 10. Shutout der Saison in Iserlohn war keine Show, es war ein Statement: 28 Schüsse, null Gegentor, 1,97 GAA seit Januar. Der Lette spricht leise: „Wir müssen unsere eigenen Partien kontrollieren und gewinnen.“ Das klingt nach Standard, ist aber ein Komplott gegen Berlin.

Denn das Restprogramm spricht für die Pinguins: Freitag in Nürnberg, wo die Ice Tigers ohne Playoff-Druck spielen, danach Heimspiel gegen Dresden – Tabellenletzter, 23 Niederlagen in Serie. Statistiker des Clubs haben gerechnet: Bei zwei Siegen steigt Fischtown auf 91 Punkte. Berlin bräuchte dann ebenfalls zwei Siege, wegen des schlechteren direkten Vergleichs aber 93 Zähler. Das bedeutet: Verliert Berlin nur einmal, reicht Bremerhaven ein Dreier.

Die Arena an der Hafenkante ist seit Tagen ausverkauft. 4.500 Plätze, alle weg. Die Fans haben ein neues Lied gelernt: „Six or die“, gesungen auf die Melodie von „Seven Nation Army“. Die Marketingabteilung druckte 10.000 Pinguin-Handschuhe in Schwarz-Weiß, ein Zehntel ist schon vor dem Spiel vergriffen. Die Stadt klebt sich zu.

Die zwei gesichter des restprogramms

Die zwei gesichter des restprogramms

Mannheim und München – das klingt nach Champions-League-Woche, ist aber die Hölle für Berlin. Die Adler kommen mit neun Siegen aus den letzten zehn Spielen, die Red Bulls haben 23 Punkte aus der letzten Serie geholt. Beide Teams wollen Tabellenplätze eins und zwei, beide haben ihren Powerplay-Klick gefunden: 28 % bei Mannheim, 26 % bei München. Berlin muss zweimal gewinnen, um sich selbst zu schützen.

Die Pinguins dagegen reisen nach Nürnberg, wo die Tigers seit fünf Spielen nicht mehr gewinnen konnten. Trainer Jeff Tomlinz hat die Defense umgestellt, doch die Offense produziert nur 2,1 Tore pro Spiel seit Mitte Februar. Danach wartet Dresden – ein Absteiger, der nichts mehr zu verlieren hat, aber auch nichts mehr zu gewinnen. Genau das macht ihn gefährlich: Kein Druck, nur Selbstbestätigung. „Die wollen uns ein Bein stellen“, sagt Gudlevskis, „aber wir haben den besseren Torhüter.“ Er lächelt, das erste Mal in dem Gespräch.

Die stunde der entscheider: geibel gegen friesen im kopf-an-kopf-rennen

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Korbinian Geibel trägt das C auf der Brust, Alex Friesen den Stolz des Underdogs. Beide kennen sich aus gemeinsamen Junioren-Zeiten in Kanada, beide wissen: In 120 Stunden entscheidet sich, wer im Sommer nach Hause fahren kann und sagen darf: „Wir haben es geschafft.“ Geibel hat in den letzten fünf Partien sieben Punkte gesammelt, Friesen acht – aber Friesen spielte zwei Minuten mehr pro Spiel, weil Tomlinz seine Top-Reihe nie runternimmt. Die Frage ist nicht, wer besser ist, sondern wer an diesem Wochenende wen mental zuerst bricht.

Die Statistik lügt nicht: In direkten Duellen dieser Saison gewannen die Eisbären drei der vier Spiele, doch alle mit einem Tor Unterschied. Das letzte Aufeinandertreffen endete 4:3 nach Verlängerung, Berlin nach 0:2-Rückstand. Genau diese Mentalität spricht für die Hauptstadt – und genau diese Mentalität spricht gegen sie, weil sie ständig hinterherlaufen muss.

Berlin, sonntag, 17:30 uhr: alles oder nichts

Berlin, sonntag, 17:30 uhr: alles oder nichts

Wenn die Eisbären am Sonntagabend das Eis betreten, könnte die Rechnung schon stimmen. Dann steht Bremerhaven bereits bei 91 Punkten, und Berlin braucht den Sieg gegen München wie Luft. Die Arena am Ostbahnhof wird kochen, 14.200 Stimmen, alle schreien sich heiser. Die Stadt lebt seit Tagen nur für dieses Spiel. BVG-Waggons sind mit Eisbären-Aufklebern gepflastert, die Polizei bereitet sich auf Fan-Züge aus München vor. Die Spieler wissen: Verlieren sie, beginnt die Qualifikation – und die kann in zwei Wochen das Aus bedeuten.

Die Wette: Wer am Ende der Hauptrunde auf Platz 6 landet, erreicht mindestens das Halbfinale. Das sagt die Statistik: Seit 2015 kam kein Sechster vor dem Viertelfinale mehr raus. Die Eisbären wollen diese Zahl, die Pinguins wollen diese Zahl. Und die Fans wollen nur eins: dass endlich wieder Eishockey-Februar in Berlin oder Bremerhaven ist, statt Sommer-Frust.

Die Uhr tickt. In 48 Stunden steht fest, wer weiterträumt und wer nur noch vom Traum erzählt. Die Eisbären haben den Vorsprung, Bremerhaven den besseren Plan. Am Ende zählt nur das Ergebnis – und das steht auf dem Eis, nicht auf dem Papier.