Fusion im münchner süden: volleyball-rivalen schmieden titel-maschine
Zwei Klubs, ein Ziel, null Kompromisse. Die WWK Volleys Herrsching und der TSV Unterhaching lösen sich auf – um sofort wieder als WWK Volleys München durchzustarten. Der Plan: in der Saison 2026/27 den Deutschen Meister zu stellen. Kein Provinz-Kuschelkurs, sondern ein Bekennerauftritt im Turbo-Modus.
Warum jetzt? weil volleyball gerade den hype-radar sprengt
André Bugl, Medienchef der Herrschinger, gibt es offen zu: „Volleyball wächst rasant – wir wollen die Spitze“. Die Quote jugendlicher Neumitglieder schießt bundesweit nach oben, TV-Einschaltquoten klettern, Sponsoren fluten die Markt. Wer da nicht zupackt, verspielt die Halbzeit. Also schnappt man sich den serien-geübten Titel-Spezialisten aus Unterhaching (Meister 2020) und mischt ihn mit dem Kreativ-Labor Herrsching – inklusive Lederhosen-Trikot, Instagram-Stunts und ausverkaufter See-Boutique-Arena.
Die Rechnung lautet: Titel-DNA plus Kult-Faktor gleich Dauerdampf in der Halle. Die Liga ist enger geworden, jeder kann jeden schlagen – aber kaum jemand hat zwei Standbeine in München, Herrsching und Unterhaching. Drei Trainingszentren, zwei Fanlager, ein Budget – das macht flexibel, schwer angreifbar und unangenehm.

Zwei wurzeln, ein wille – was wirklich bleibt
Keine Angst, der TSV bleibt TSV und die WWK bleibt WWK – zuminlich hinter den Kulissen. Die Stammvereine verwalten weiter ihre Jugendarbeit, Hallen und Dorfderbys. Die Profi-Sparte zieht unter das Dach der WWK Volleys München GmbH. Dort arbeiten künftig Sportdirektor, Athletik-Coach, Analysten und Social-Media-Team in Personalunion. Eine Holding, kein Hexenwerk – dafür aber mit Klarheit: Wer Meister werden will, muss sich an dieser Stelle anstellen.
Und das steht schwarz auf weiß. „Deutscher Meister“ steht im Kooperationsvertrag – kein frommer Wunsch, sondern vertragliche Pflicht. Geschäftsführer Mihai Pădurețu zuckt mit den Schultern: „Vielleicht nicht direkt 2027, aber spätestens 2028“. Wer so offen die Devise ausspricht, provoziert Gegner und Erwartungen gleichermaßen.

Die fans: von der rivalität in die gemeinsame kurve
Roy Friedrich kennt beide Seiten. Er spielte mal für Herrsching, mal für Haching – und spürt die alte Rivalität noch im Nacken. „Die Fans werden testen, ob die Chemie stimmt“, prophezeit er. Die erste echte Probe wird das Heimspiel in der neuen Münchner Audi-Halle, wenn Seefeld-Block und Münchner Südkurve aufeinanderprallen. Pădurețu ist gelassen: „Bisher haben wir null Gegenwind gesammelt“. Trotzdem wird er die Fanbeauftragten beider Lager einladen, gemeinsame Choreos einstudieren und die Traditions-Trikots in einem Museum vereinen. Symbolik wirkt, wenn sie echt ist.
Was jetzt zählt: euro, athleten, ergebnisse
Die Budget-Rechnung liegt bei rund 4,5 Millionen Euro pro Saison – ein Plus von fast 40 % gegenüber den Einzel-Budgets. Das Geld kommt aus WWK-Versicherungen, einem neuen Premium-Partner aus der Tech-Branche und aus Miet-Einnahmen der Mehrzweck-Halle in Unterhaching. Für Spieler bedeutet das: kein Nebenjob, dafür Vollgas-Profis. Zwei Nationalspieler sollen noch vor der Sommervorbereitung verpflichtet werden – einer aus Polen, einer aus Berlin. Intern spricht man von „Projekt 3-2-1“: drei Monate Aufbau, zwei Monate Playoff-Tuning, ein Ziel – Titel.
Die Liga reagiert mit misstrauischem Respekt. Friedrichshafen kündigt bereits eine „Mega-Woche“ an, wenn die Münchener zum ersten Mal an den Bodensee reisen. Die Aufgabe für das neue Team: Innerhalb von 48 Stunden zwei Fan-Lager verschmelzen, drei Hallen bespielen und 18 Gegner dominieren. Keine kleine Hausaufgabe – aber wer in Bayern etwas Großes plant, kennt kein Halbmaß.
Am Ende bleibt eine Erkenntnis: Volleyball in Bayern war gestern eine nette Randnotiz – morgen kann er die Schlagzeile sprengen. Und wenn der erste Meister-Pokal tatsächlich in der Münchner Innenstadt um den Marienplatz geschwenkt wird, war der Zusammenschluss kein Experiment, sondern ein Schnellzug, der pünktlich einfuhr. Die Liga ist gewarnt: Hier kommt ein Verein, der nichts anderes kennt, als zu gewinnen – und jetzt endlich die Mittel hat, es auch durchzuziehen.