Eintracht wackelt, gewinnt – und fragt sich: war das schon alles?

1:0 gegen das Schlusslicht, 17 Minuten in Unterzahl, ein Tor, das hätte nicht zählen dürfen – Eintracht Frankfurt hat am Samstag drei Punkte geholt und trotzdem jede Menge Gesprächsstoff geliefert. Die Erleichterung währte nur kurz, danach kamen die Fragen.

Kalimuendo trifft, var glänzt – heidenheim hadert

Arnaud Kalimuendo nutzte eine halb abgefälschte Hereingung von Jesper Lindström, um den Ball aus fünf Metern unter die Latte zu drücken (53.). Die Gäste protestierten sofort: Abseits? Handspiel? Beides schien drin, doch die Bilder lügen nicht: Knee des Stürmers minimal vor letztem Verteidiger, der Arm aber eng am Körper – Tor zählt, Heidenheim hadert. „Wir stehen mit leeren Händen da, obwohl wir 89 Minuten die Partie bestimmt haben“, sagte Frank Schmidt, dessen Team erneut ohne eigenes Tor blieb.

Robin Kochs Platzverweis wegen wiederholten Foulspiels (73.) schien die Eintracht zu treffen, doch statt Druck kam von den Hessen plötzlich Ordnung. Die defensive Viererkette rückte zwei Meter tiefer, Nathaniel Brown und Djibril Sow schoben auf die Außenbahnen – Heidenheim lief sich fest. „In Unterzahl haben wir keine einzige klare Chance kassiert“, bilanzierte Co-Trainer Albert Riera, der die Bank vertrat, während Dino Toppmöller wegen Grippe im Hotel lag.

Kreativloch statt offensivfeuer – frankfurt erkennt seine schwäche

Kreativloch statt offensivfeuer – frankfurt erkennt seine schwäche

Die Statistik verrät die Wahrheit: 0,83 erwartete Tore (xG) stehen für Eintracht, 0,71 für den Tabellenletzten. Kein Team schoss öfter drüber oder daneben, keine Flanke fand ihr Ziel. „Wir haben in der ersten Halbzeit zu statisch agiert, die Räume waren nicht vorhanden“, räumte Sportdirektor Markus Krösche ein. Die Lösung? „Mehr Tempo, mehr Rotation – das haben wir nach der Pause umgesetzt.“ Doch der Effekt blieb überschaubar, weil Heidenheim nicht mehr offenbarte als nötig.

Die Sorge wächst: Seit fünf Heimspielen gelingt der Eintracht kein Sieg mit mehr als einem Tor Vorsprung. Die Chancenverwertung ist das größte Baustellen-Item, noch vor der Ausfallsliste (Marmoush, Götze, Ekitike). „Wir fehlen an Tiefgang, das ist klar“, sagt Krösche. „Aber Stabilität geht vor – und die haben wir heute wieder gezeigt.“

Heidenheims angst vor dem abstieg wird zur gewissheit

Heidenheims angst vor dem abstieg wird zur gewissheit

Für die Gäste ist die Lage so klar wie bedrohlich: 13 Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz, nur noch acht Spiele, dazu die schwächste Offensive der Liga (19 Tore). „Wir müssen einfach mal wieder gewinnen“, forderte Eren Dinkci, der mit Conteh zusammen die einzige echte Möglichkeit hatte – aber auch nur eine. Der VAR-Fehlentscheid, so Schmidt, „ist Symptom unserer Saison: Wir kriegen nichts geschenkt.“

Die Tabelle lügt nicht, und die Stimmung im Lager ist längst nicht mehr auf Aufbruch eingestellt, sondern auf Überleben. Wer in der Rückrunde nur zwei Punkte holt, darf sich nicht wundern, wenn die Klasse am Ende nicht reicht.

Ausblick: frankfurt reist nach stuttgart – druck steigt

Ausblick: frankfurt reist nach stuttgart – druck steigt

Schon am nächsten Samstag wartet mit dem VfB der nächste Verfolger. Für Eintracht droht ein Blick nach unten, sollte das Spiel verloren gehen. „Wir brauchen frische Impulse im Training, vielleicht auch neue Personalien“, so Krösche. Die Rückkehr von Götze und Ekitike wäre ein erster Schritt, doch die Lösung liegt tiefer: Frankfurt muss wieder Tore schießen, ohne dabei die Balance hinten zu verlieren.

Die Erinnerung an die fulminante Hinrunde verblasst. Was bleibt, ist die nüchterne Erkenntnis: Ein 1:0 gegen Heidenheim reicht nicht, um Träume zu nähren – nur, um den Abstand halbwegs zu halten. Und das ist momentan das Höchste der Gefühle.