Dynamo zündet den notstopp – doch der märz wird gnadenlos

3:1 gegen Preußen, Platz 14, Jubel bis in die Nacht – und trotzdem schon wieder Alarmstufe Rot. Der BFC Dynamo hat seine 128-tägige Sieglos-Serie gerissen, aber die Fans wissen: Greifswälder FC wartet als nächstes mit dem Messer zwischen den Zähnen.

Dadashows doppelpack rettet den ersten körner-sieg

Sven Körner sprach vom „psychologischen Befreiungsschlag“, und er hatte recht. Seit er im Winter das Zepter von Dennis Kutrieb übernahm, wartete der 43-Jährige auf diesen Moment – 94 Minuten lang ließ seine Elf den BFC Preußen keine Luft, bis Rufat Dadashow mit zwei Kopfball-Toren die eigene Torflaute von 172 Tagen beendete und gleichzeitig die Tabellen-Situation entschärfte. Endlich wieder ein Heimspiel, das nicht in Frust endet. Endlich wieder ein Samstag, der sich wie ein Sieger anfühlt.

Doch hinter der Siegesparty lauert die Kalender-Gefahr. Noch sechs Pflichtspiele stehen im März an – doppelt so viele wie andere Teams. Die Spielplan-Pyramidenspiele sind ein Erbe des Winter-Chaos: vereiste Plätze, Corona-Fälle, verlegte Termine. Jetzt zahlt Dynamo Zinsen für das Versäumnis. „Wir fliegen nach Greifswald, um dort alles zu lassen“, sagt Körner. Gemeint ist: drei Punkte oder Abstiegszone.

Neue taktik, alter dadashow – und ein co-trainer mit landesliga-vergangenheit

Neue taktik, alter dadashow – und ein co-trainer mit landesliga-vergangenheit

Körners taktischer Kniff: Er stellte Dadashow wieder in die Spitze, statt ihn als hängende Zehn zu verheizen. Der Stürmer reagierte mit zwei Toren und einer Selbstverständlichkeit, die ihn in den vergangenen Monaten abhanden gekommen war. Dahinter sorgte Maik Aumann für Frische – der neue Co-Trainer mit UEFA-A-Lizenz, zuletzt noch beim FSV Saxonia Tangermünde in der Landesliga Sachsen-Anhalt tätig. „Wir brauchten eine zweite Stimme auf dem Platz“, erklärt Körner knapp. Chris Reher, der Ex-Kapitän, kümmert sich künftig stärker um die U19 und U17.

Die Zahlen sind hart: Dynamo steht zwar einen Punkt über dem Strich, aber bis zu vier Teams können tatsächlich runter. Die Rechnung ist simpel: 14 Spiele, maximal 42 Punkte – bei 30 Zählern wäre der Klassenerhalt wahrscheinlich, bei 27 wird’s eng. Die Fans rechnen lautstark mit: „Wenn wir in Greifswald gewinnen, sind wir bei 28 und können endlich durchatmen.“

Der märz als endspiel-modus: alle sechs spiele in 24 tagen

Der märz als endspiel-modus: alle sechs spiele in 24 tagen

Die Chronologie liest sich wie ein Horror-Kalender: Greifswald (Auswärts), Babelsberg (Heim), Zwickau (Pokal), Eilenburg (Auswärts), Lichtenberg (Heim), Union II (Auswärts). Keine Pause, kein Trainingsspiel, nur Dauerbelastung. Körner rotiert deshalb schon jetzt: Innenverteidiger Marcel Holtschke wird gegen Greifswald voraussichtlich neben Niklas Brandt beginnen, weil Luca Schuler Gelb-gesperrt fehlt. Auf der Sechser-Position kehrt Maximilian Zimmer zurück, nachdem er gegen Preußen wegen Adduktor-Problemen nur 45 Minuten machen konnte.

Die Stimmung im Block kippt schneller als ein Berliner Aprilwetter. Nach dem Schlusspfiff herrschte Ekstase, auf Twitter kursierten bereits Szenen von fliegenden Bierdosen und Pyro-Fackeln. Doch die nächste Hashtag-Welle lautet #GreifswaldHalt. Die Fans wollen keine halben Sachen mehr. „Wir haben den Glauben zurück, aber der März wird entscheiden“, sagt Ultra-Sprecher „Michel“ vom Block F. „Alles andere ist Selbstbetrug.“

Am ende zählt nur die tabelle – und die ist gnadenlos ehrlich

Am ende zählt nur die tabelle – und die ist gnadenlos ehrlich

Körner versucht, den Druck zu dämpfen: „Fußball ist kein Wunschkonzert, sondern Ergebnisarbeit.“ Die Wahrheit ist schlicht: Gewinnt Dynamo zwei der nächsten drei Spiele, ist der Klassenerhalt wahrscheinlich. Verliert man in Greifswald, rutscht man auf Platz 16 und muss gegen Babelsberg gewinnen – sonst wird der April zur Geisterbahn. Die Mannschaft spürt das. Beim Warmmachen sangen die Spieler schon das alte Stadionlied: „Wir sind Dynamo, wir sind Berlin – und wir stehen nie mehr auf Platz 17.“

Der Countdown läuft. 24 Tage, sechs Spiele, ein Schicksal. Der Sieg gegen Preußen war erst der Anfang. Wer in Berlin denkt, das Schlimmste sei vorbei, hat die Regionalliga nicht verstanden.