Drei transfers rütteln am frauen-bundesliga-kartenspiel
Bayern, Wolfsburg und Leverkusen haben die ersten Schachzüge gemacht. Mit Kassandra Potsi, Giovanna Hoffmann und Selina Albrecht wechseln drei Leistungsträgerinnen genau dorthin, wo der Titel in der nächsten Saison steht – oder eben nicht.
Warum potsi den sgs essen verlässt
Die 24-jährige Stürmerin war beim SGS die Versicherung gegen Abstiegsangst. 13 Tore, 7 Vorlagen, unzählige Laufduelle gewonnen. Doch die Bayern bieten mehr als nur Euro: eine Perspektive, die in Essen seit Jahren nicht über Platz 6 hinaus reicht. Potsi unterschreibt bis 2026, soll Lea Schüller entlasten und neben Jovana Damnjanović für die entscheidenden Zentimeter im Sechzehner sorgen.
Im Training in München wird sie sich an die automatischen Laufbänder gewöhnen müssen. Die Frage ist nicht, ob sie kann, sondern wie schnell sie kann. Denn der Klub will nach zwei Jahren ohne Titel endlich wieder den Henkelpott nach München holen.

Giovanna hoffmann: leipzig-kapitanin wird wolfsburger problem
RB Leipzig hatte sie zur Führungsspielerin gemacht, VfL Wolfsburg macht sie nun zur Waffe gegen eigenes Stagnieren. Hoffmanns Vertrag in Leipzig lief 2025 aus, eine Verlängerung galt intern als wahrscheinlich. Dann kam der Anruf von Tommy Stroot. Der VW-Klub bezahlte keine Ablöse, dafür aber ein Gehalt, das sich verdoppelt. Für Hoffmann ein Schritt, für RB ein Schlag ins Gesicht.
Die 26-Jährige kann links wie rechts spielen, zieht innen wie außen. In Wolfsburg wird sie mit Svenja Huth eine Seite formieren, die schon letzte Saison 43 Prozent aller Tore vorbereitete. Die Botschaft: Wer Zweiter werden will, muss erstmal Zweiter bleiben.

Leverkusen schlägt doppelt zu
Die Werkself verpflichtet nicht nur, sondern verdoppelt. Anna Wirnsberger kommt von Sturm Graz, Selina Albrecht von Altach. Beide österreichisch, beide Abwehr. Trainer Robert de Pauw baut hinten neu auf, weil die 41 Gegentore der Vorsaison der Grund waren, warum die Europa-League-Quali nur knapp verpasst wurde.
Wirnsberger bringt 1,78 m, Albrecht 1,80 m. Luftkampf statt Laufduell. Leverkusen wird physischer, ohne langsamer zu werden. Die beiden Neuzugänge kosten zusammen weniger als ein Jahresgehalt der Bayern-Stammelf. Das ist Effizienz statt Etat.

Die tabelle vor der tabelle
Die Transferwoche hat die Kräfteverhältnisse verschoben, bevor der erste Ball rollt. Bayern haben die meisten Tore der letzten drei Jahre zugekauft, Wolfsburg die meisten Assists. Leverkusen schützt das Tor. Der SGS Essen verliert seine treibende Kraft, RB Leipzig seine Kapitänin. Die Saison beginnt erst im August. Die Köpfe rauchen schon jetzt.
Wer am 1. Spieltag oben steht, war noch nie die Frage. Entscheidend ist, wer nach dem 22. Spieltag noch dort steht. Die Antwort liegt jetzt schon in den Knöcheln von Potsi, in den Flügeln von Hoffmann, in den Köpfen von Wirnsberger und Albrecht. Der Sommer ist heiß. Die Liga auch.
