Nagelsmann zückt die wm-keule: groß zurück, stiller draußen
Julian Nagelsmann schlägt zu. Kein Tweet, kein Leak, einfach ein Kader – und der sorgt am Donnerstagmittag für einen Knall, der bis in die Premier League hallt. Pascal Groß, 34, Brighton-Sechser, Ex-Dortmunder, längst abgeschrieben von vielen, steht wieder im Aufgebot der DFB-Elf. Ende der Schonzeit.
Warum jetzt? weil groß andere besser macht
Nagelsmann redet nicht lange um den heißen Brei herum. „Er ist ein verlängerter Arm des Trainers“, sagt der Bundestrainer, „egal, ob er null oder 90 Minuten spielt.“ Das klingt nach Klischee, ist aber seine DNA-Analyse. Groß ist kein TikTok-Highlight, er ist Kleber. Er spricht mit Rüdiger, er spricht mit Adeyemi, er spricht mit Undav – und alle verstehen sich. In einer Truppe, die noch sucht, wer wann wo sprintet, ist so ein Bindeglied Gold wert.
Die Zahlen? 28 Pflichtspieleiese Saison, 2.587 Minuten, 87 % Passquote. Statistiker nennen das „Stabilität“, Nagelsmann nennt es „soziale Intelligenz“.

Stiller bleibt draußen – das ist die harte seite der medaille
Angelo Stiller musste erneut zuhause bleiben. Der 23-jährige Hoffenheimer saß in der EM-Vorbereitung noch im Bus, jetzt nicht mal im Kurs. Nagelsmann setzt stattdessen auf Pavlovic, Goretzka, Stach, Nmecha – und eben Groß. Die Botschaft: Titel sind kein Altersheime, aber sie sind auch kein Jugendcamp. Wer nicht spielt, fliegt – egal, wie talentiert.
Groß selbst hatte Mitte März noch gesagt: „Jeder weiß, dass die WM mein großer Traum ist.“ Jetzt ist er einen Schritt näher, doch Nagelsmann streicht sofort den Stempel „Geschenk“ durch: „Er muss liefern, sonst gibt’s kein Ticket.“

Der plan: basel und stuttgart als feuertaufe
Am 27. März in Basel gegen die Schweiz, drei Tage später in Stuttgart gegen Ghana – zwei Testspiele, die mehr sind als Warm-Up. Nagelsmann will sehen, wie seine Sechser-Chain reagiert, wenn Gegner umschalten, wie Groß den Ball verteilt, wenn der Gegner presst. Die Karten sind offen, der Countdown läuft.
Für Groß ist das ein zweites Debüt. 2018 war er Teil der letzten Löw-Ära, damals 180 Minuten, danach 14 Monate Pause. Jetzt kommt er zurück – älter, ruhiger, hungriger. Brighton hat ihn stabil gemacht, Dortmund hat ihn scharf geschliffen, Nagelsmann holt ihn, weil er genau diese Mischung braucht: Erfahrung ohne Ego, Spielverstand ohne Show.
Die WM rückt näher, 500 Tage noch. Für Groß könnten es die letzten 180 Minuten im Trikot sein, die entscheiden, ob er in den USA aufläuft oder zu Hause zuschaut. Er weiß es, Nagelsmann weiß es – und deshalb ist diese Nominierung kein Geschenk, sondern eine Kampfansage an den Rest des Kaders: Wer nicht liefert, wird ersetzt. Auch wenn er 34 ist.
