Draper schlägt djokovic und flüstert: „ich kann noch viel mehr“

Jack Draper fegt Novak Djokovic aus Indian Wells und inszeniert seine Rückkehr als englische Rakete: 4-6, 7-6, 7-6 nach 158 Minuten, ein Aufstand gegen die Zeit und gegen die eigene Haut.

Der körper war sein gegner, nicht nur djokovic

Die Zuschauer im Stadium 1 saßen auf glühenden Plastikstühlen, als der 23-Jährige den ersten Satz abgab und dann zwei Breakbälle wegsteckte. Was danach passierte, war kein Tennis mehr, sondern ein Statement: Draper riss Djokovic in einen 38-Schlag-Rally, schickte ihn auf den Hinterhof des Court und ließ ihn dort verzweifelt auf dem Bauch liegen. Der Serbe klopfte sich selbst die Asche aus der Kappe, Draper aber klopfte an die Tür der Top-Ten.

Die Szenerie ist ein Déjà-vu. Vor zwölf Monaten hatte Draper hier seinen ersten Masters-Titel gefeiert, den Startschuss zu einer Saison, die ihn bis auf Rang vier trug. Dann platzte der Traum: Ellenbogen, Rippen, Adduktoren – ein Körper, der sich weigerte, mitzuziehen. Fünf Monate Pause, keine Australian Open, stattdessen Stunden mit Physiotherapeuten und einem neuen Coach: Jamie Delgado, Murray’s langjähriger Strippenzieher. „Wir haben den Aufschlag um 11 km/h angezogen und seine Schultern so breit gemacht wie die Bretter von Wimbledon“, sagt Delgado trocken.

Der tiefe ball, der djokovic zerreißt

Der tiefe ball, der djokovic zerreißt

Im dritten Satz schraubte Draper die First-Serve-Quote auf 74 % hoch, schlug aber vor allem den zweiten Aufschlag so flach ins Feld, dass Djokovic wie ein Boxer zurücktaumelte. Die Statistik lügt nicht: 19 Winner im letzten Drittel, nur vier unerzwungene Fehler. „Ich habe meinem Coach gesagt: Das war Stufe vier von zehn“, sagt Draper nach dem Match, die Stimme noch rau vom Schreien. „Er hat nur gelacht.“

Lacht auch Carlos Alcaraz? Der Titelverteidiger wartet im Viertel bereits, kennt Drapers Linkshänder-Spin nur zu gut. Letztes Jahr schickte der Brite den Spanier in Indian Wells nach Hause, diesmal droht ein Duell auf Augenhöhe. Sinner fehlt, weil Clostebol ihn in den Keller der Tribüne schickt, und so bleibt das Turnier ohne seinen Helden. Die Lücke füllt jetzt ein Mann, der sich selbst als „halbe Maschine, halbe Wunde“ bezeichnet.

Die Frage ist nicht, ob Draper das Finale erreicht – die Frage ist, ob sein Körper mitspielt bis Sonntag. „Ich bin bereit, jeden Punkt wie mein Leben zu verteidigen“, sagt er. Und wenn er recht behält, dann steht Indian Wells nicht am Ende einer Geschichte, sondern am Anfang einer neuen Ära, in der Djokovic nur das erste Opfer war.