München verliert seine darts-seele: peter seidl stirbt mit 62

Peter Seidl ist tot. Die Darts-Szene verliert ihren umtriebigen Paten, der aus einem Kneipenwinkel in Untergiesing eine nationale Anlaufstelle schuf und 2005 mit Deutschland die E-Darts-WM holte.

Die harlekin-ära endet mit ihm

Seidl hatte 1998 das Lokal Harlekin übernommen, sechs Jahre später daraus einen Verein gemacht. Was wie ein Klub klingt, war in Wahrheit ein Wohnzimmer: Holzdielen, Nikotindecke, davor die Oche. Wer einmal warf, blieb. Manche nie mehr weg. Der BDV schreibt von „einem Ort, an dem Menschen zusammenkamen – zum Spielen, zum Lachen und zur Gemeinschaft“. Das klingt nach Werbung, ist aber zutreffend. In München gibt es teurere Locations, aber keine, die so viele Karrieren startete.

Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostizierte man ihm vor zwölf Monaten. Bis zuletzt saß er auf seinem Hocker neben der Theke, scorete selbst, wenn die Chemo ihm noch die Haare ließ. Am Dienstagmorgen dann die Nachricht, die niemand erwartete und jeder kommen sah.

Zwei em-titel und ein jahrhundert-match

Zwei em-titel und ein jahrhundert-match

2005 feierte er in Las Vegas mit der Nationalmannschaft den Weltmeistertitel im E-Darts. Davor und danach wurde er zweimal Einzel-Europameister. Wer ihn spielen sah, erinnert sich an die unaufgeregte Hand, die nie zitterte – weder im Steeldart noch im E-Dart. Seine Zweikampf-Bilanz: 312 Siege in 357 Spielen. Eine Zahl, die ihresgleichen sucht.

Was bleibt, ist ein Verein mit 120 Mitgliedern, ein Bistro, das künftig von seiner Tochter geführt wird, und eine Generation von Spielerinnen und Spielern, die seine Handschrift trägt. Der BDV schließt den Nachruf mit den Worten: „Good Darts – und Ruhe in Frieden.“ Kein „Wir werden ihn nie vergessen“, weil das eh klar ist.