Anna-lena forster zerquetscht das feld und schreibt paralympic-geschichte

Cortina bebt. Anna-Lena Forster saß wie ein Granatwerfer auf drei Ski, zog durch 47 Tore und schleuderte der Konkurrenz 1,28 Sekunden um die Ohren. Gold Nummer zwei, Tag Nummer vier – und der Slalom kommt noch.

Seco raus, muraoka dran, forster kühl

Die Spaniens Hoffnung Audrey Pascual Seco flog in einem Schneewirbel davon, als hätte die „Olympia delle Tofane“ sie persönlich aus dem Rennen befördert. Mit ihr die letzte echte Bedrohung. Im Ziel schob Forster die Stöcke weg, atmete einmal tief durch und lächelte so knapp wie ihre Kantenwechsel. Momoka Muraoka, frisch vom Schlüsselbeinbruch, schaufelte Silber heran – mehr nicht.

Die 30-jährige Radolfzellerin beherrscht diese Hänge wie eine Programmiererin ihr Code-Repository: jeden Abschnis, jeden Fallrückzieher in den Rotationsfaktor auswendig. Dass sie vor vier Jahren in Peking noch Gold im Slalom holte und im Riesenslalom leer ausging, drehte sie heute um 180 Grad. „Die Piste ist echt nicht einfach“, sagte sie nach Lauf eins – und fuhr trotzdem mit halber Sicherheitsmarge vorne weg.

Deutschland jubelt, forster bleibt hungrig

Deutschland jubelt, forster bleibt hungrig

Sechs Winter-Paralympics-Golds hat sie jetzt, nur Gerd Schönfelder lag je deutscherseits vor ihr. Die Medaillenmappe ist voll, der Slalom am Samstag noch offen. Dort könnte sie zum Abschluss von Cortina 2026 die Silber-Krone aus Peking gegen eine weitere Goldtausche tauschen. Ihre Antwort auf die Frage nach Druck fiel klinisch kalt aus: „Ich kenne meine Linie, sonst nichts.“

Die Tatsache, dass Seco früh scheiterte, bescherte Forster keine zusätzliche Ruhe, sondern entzog dem Rennen die letzte Unbekannte. Sie fuhr gegen die Uhr, gegen die 47 Tore, gegen die eigene Perfektionserwartung – und gewann gegen alles drei. Cortina 2026 wird als das Turnier deutscher Monoski-Dominanz in die Chronik eingehen. Forster selbst hat längst den nächsten Schwung im Blick. Samstag, Slalom, Startnummer eins. Wer sie stoppen will, muss früher aufstehen als der Zug zur Tofana.