Deutschland bezwingt kroatien im overtime-krimi – wm-ticket rückt näher
Bonn zitterte, die Mannschaft zitterte, ein ganzes Land hielt den Atem an. Dann knallte David Krämer den Ball von der Dreierlinie durch den Ring, das Kroatien-Herz blieb liegen, und Deutschlands Basketballer lagen sich in den Armen: 91:89 nach Verlängerung – Revanche gelungen, Gruppe E wieder offen.
Johannes thiemann trägt das team auf seinen schultern
Der 28-Jährige aus Ludwigsburg war kein einfacher Basketball-Kapitän, er war ein Bulldozer in kurzen Hosen. 24 Punkte – persönliche Bestmarke im Nationaltrikot –, dazu 8 Rebounds und der Freiwurf, der 15 Sekunden vor Ende der Verlängerung die Führung bringt. „Ich hab nur an die Jungs gedacht“, sagt er nach dem Schlusspfiff, „und daran, dass wir Freitag in Zagreb verschenkt haben.“
Die Kroaten um Mario Hezonja und Dario Šarić hatten Deutschland in der ersten Hälfte wie ein Spielzeug durch den Bonner Korb gewuchtet. 50:41 zur Pause, 54:44 kurz nach Wiederbeginn – da schien die Luft raus. Doch Alex Mumbrú, der spanische Bundestrainer ohne NBA-Stars und ohne Sniper Andreas Obst, schrie seine Anweisungen quer über das Parkett, bis die Hallenwände vibrierten. „Wir haben gelernt, dass wir auch ohne Superstars gewinnen können“, sagt er später, Stimme heiser, Augen rot.

Die overtime wird zum nervenkrieg
Die letzten 60 Sekunden der regulären Spielzeit: Krämer trifft den Dreier zum 77:77, Kroatien verpasst den letzten Wurf. In die Verlängerung geht’s mit dem Gefühl, dass hier jeder Treffer eine kleine Explosion auslöst. Zweimal verpasst Krämer die Führung, einmal trifft Thiemann, einmal Delow – dann der Freiwurf, dann der Sieg. 6.032 Zuschauer im ausverkauften Dome toben, als hätten sie gerade ein Finale gewonnen.
Die Tabelle? Deutschland und Kroaten gleichauf mit 7 Punkten, Israel folgt mit 6. Aber das ist Schönmalerei. Wichtig ist: Alle Punkte reisen mit in die zweite Qualifikationsphase, die Ende August startet. Dort treffen die besten drei Teams der Gruppe E auf Lettland, Polen, Österreich und die Niederlande. Drei von sechs bekommen das Ticket nach Katar – und plötzlich ist der Traum von der WM 2027 (27. August bis 12. September) wieder greifbar nah.

Nba-rückkehr könnte den unterschied machen
Theoretisch könnte Dennis Schröder dann zurückkehren, ebenso Daniel Theis oder Franz Wagner. Mumbrú sagt es offen: „Wenn die Jungs kommen, wird es ein anderes Team.“ Aber er betont auch, dass diese jungen Kerle gerade bewiesen haben, dass sie auch ohne die großen Namen bestehen können. Die Chemie stimmt, der Glaube ist zurück.
Am 3. Juli geht’s nach Israel, drei Tage später empfängt Bamberg Zypern. Bis dahin hat Mumbrú Zeit, die Köpfe frei zu kriegen und die Wurfquote zu polieren – 7 von 28 Dreiern reichen gegen Kroatien, aber nicht gegen die nächsten Gegner. Die Botschaft ist klar: Wer so eine Overtime überlebt, der fürchtet sich vor nichts mehr. Deutschland ist wieder im Rennen – und diesmal mit Kurs auf Katar.
