Deutsches mixed-team zittert sich zum nationspoker: oslo-finale entscheidet über sechser-ticket

Windlotterie Otepää: Statt eines Podests holte das DSV-Quartett Rang fünf – und das reicht, um den Traum von sechs Startplätzen in der nächsten Weltcup-Saison am Leben zu halten. Der Vorsprung auf Finnland (189 Punkte) und Tschechien (220) wirkt komfortabel, aber noch nicht sicher.

Feuer unterm schießstand, druck auf der piste

Philipp Nawrath lief wie ein Geisterfahrer, schoss aber, als hätte ihm der estnische Wind persönlich etwas vorzuwerfen. Drei Nachlader pro Schießeinlage – das ist kein Stottern, das ist ein Statement gegen jede Medaillenrechnung. Mit bloßer Laufpower nagelte er Deutschland an die Spitzengruppe, während seine Kollegen am Stand buchstäblich ins Leere schossen.

Philipp Horn sprach danach offen aus, was jeder Zuschauer dachte: „Drei Strafrunden sind kein Wetter, das ist Selbstverschulden.“ Die Worte hallten durch die ARD-Mikros, als hätte er sich selbst für die kommenden Tage verurteilt. Justus Strelow war noch deutlicher: „Das schlechteste Rennen meiner Karriere.“ Dafür rettete Vanessa Voigt den Ehrenplatz vier im Parallelbewerb – ein Trostpreis mit Zinsen.

Julia tannheimer lässt das podest zappeln

Julia tannheimer lässt das podest zappeln

Alles schien bereit für die Sensation: Letzte Runde, letzter Anschlag, Schweden bereits im Ziel. Dann klingelte die Strafrunde, und mit ihr zerriss der Faden zur Medaille. Tannheimer verlor zwölf Sekunden, die wie ein halbes Leben wirkten. Selina Grotian hatte vorher mit nur zwei Nachladern noch einmal das Momentum geholt – umsonst.

Doch hinter den verpassten Blumen wartet die große Rechnung. In Oslo reicht Platz sieben, um das Sechser-Ticket zu lösen. Die Statistik spricht für Deutschland: Noch nie verpasste eine deutsche Frauen-Mannschaft in einem Weltcup-Finale die Top-Sieben, wenn sie als Favorit ins Rennen ging. Die Konkurrenz müsste ein Wunder zaubern – oder der Wind müsste wieder umdrehen.

189 Punkte Vorsprung klingen nach Polster, sind aber keine Garantie. Ein einziger Schiefftag in Oslo kann die Tabelle kopfüber stellen. Die Athleten wissen: Wer jetzt noch zögert, fliegt raus aus dem Sechser-Kreis. Die Saison ist gerettet, die Seele noch nicht.