Deutsche tennis-damen patzen gegen portugal – aufstieg nur noch mit wunder

Ein glänzender Auftakt, dann der Absturz: Die deutschen Tennis-Damen haben im Billie Jean King Cup den ersten Schritt Richtung Rückkehr in die Weltgruppe verbockt. Gegen Portugal reichte es nur zu einem 1:2 – und jetzt zittert selbst das Minimalziel.

Noha akugue liefert, seidel verspielt den vorteil

Noma Noha Akugue hatte den Grundstein gelegt. Die 20-Jährige aus Hamburg schlug Matilde Jorge 6:4, 7:5, zeigte keine Nerven und bewies, warum sie in der Fed-Cup-Statistik als „Rookie mit Killerinstinkt“ geführt wird. Die Freude währte 73 Minuten – dann kam Ella Seidel.

Die 19-jährige Spitzenspielerin, in Abwesenheit der verletzten Eva zur Führungsfigur degradiert, fand nie ihren Rhythmus. Vor allem die Vorhand flog wie ein sterbendes Entlein ins Aus, die Returnquote lag bei mageren 28 Prozent. Gegen Francisca Jorge, Weltranglistenplatz 185, reichte es trotz zwischenzeitlicher 4:2-Führung im zweiten Satz nur zu einem 2:6, 5:7. „Das war ein Blackout in Pink“, sagte ein ranghoher DTB-Beobachter trocken.

Doppel-debakel besiegelt die niederlage

Doppel-debakel besiegelt die niederlage

Die Entscheidung fiel im Doppel – und dort lieferten sich Noha Akugue und Tessa Brockmann eine Lehrstunde darüber, wie man Nervosität in eine Niederlage verwandelt. 1:6, 5:7 gegen die Jorge-Schwestern, die zuvor in dieser Konstellation noch nie zusammen auf dem Platz gestanden hatten. „Wir haben uns gegenseitig blockiert, statt zu variieren“, gestand Brockmann nach dem Match. Die Portugiesinnen feierten, als hätten sie schon das Finale gewonnen – und das bei Temperaturen von neun Grad plus Windstärke vier.

Die Rechnung ist jetzt brutal: Deutschland muss gegen Schweden gewinnen, danach Dänemark schlagen – und trotzdem reicht das vermutlich nicht. Die Tordifferenz könnte den Ausschlag geben, und die ist aktuell negativ. Ein Absturz in die Regionalgruppe II, also die dritte Division, wäre das sportische Desaster des Jahres.

Tsv-pelkum-sportchef sieht systemfrage

Tsv-pelkum-sportchef sieht systemfrage

Christian Schneider, Sportchef des TSV Pelkum und Beobachter der Nationalelf, ortet ein tieferes Problem: „Wir fördern Talente, aber wir vergessen, sie wettkampfreif zu machen. Seidel hat Potenzial für die Top 50, aber wenn sie bei Nummer 185 der Welt einbricht, fehlt der mentale Panzer.“ Die DTB-Struktur hatte zuletzt 30 Millionen Euro für Nachwuchsprojekte erhalten – sichtbar wird bislang nur, dass die Mädchen lernen müssen, mit Druck umzugehen, statt ihn zu verdrängen.

Am Mittwoch Nachmittag geht es gegen Schweden. Kapitän Torben Beltz muss rotieren, sonst droht die K.o.-Phase schon vor dem letzten Match. Die Frage ist nicht mehr, ob Deutschland aufsteigt – sondern wie tief es fallen kann.