Deutsche march-madness-offensive: anderson dominiert, ensminger scheitert im krimi
Die Nacht war ein Splitter aus zwei Welten. Während Christian Anderson in Pittsburgh mit Texas Tech die Akron Zips in Schach hielt und 18 Punkte versenkte, sackte Jake Ensminger in San Diego 2.400 Kilometer weiter südlich vor Verzweiflung auf dem Parkett zusammen. Buzzer-Beater. Overtime. Aus. Die deutsche March-Madness-Staffel liefert schon am ersten Tag alles: Triumph, Tränen, Triple-Doubles.
Andersons red raiders fegen akron weg
Anderson startete mit einem Steal, trieb den Ball nach vorne, fand den Trailer – Knall, drei Punkte. Die Halle explodierte, Akron schwankte, und der 1,91-Meter-Guard aus Hannover übernahm das Kommando. 91:71 lautete der Befehl nach 40 Minuten. Fünf Red Raiders landeten im zweistelligen Bereich, selbst der Ausfall von Star-Tower JT Toppin riss keinen Riss in die Staffelung. Texas Tech trifft nun auf Alabama oder Hofstra – und Anderson träft, egal wer kommt.

Kharchenkovs wildcats liefern lehrstunde ab
Ivan Kharchenkov brauchte keine Show, nur 24 Minuten. 14 Punkte, 10 Rebounds, 5/7 Feldwürfe – ein sauberes Double-Double gegen die Long Island Sharks. Arizona jagte wie ein Schwarm in Zone-Press, erlaubte 58 Punkte, die wenigste Zahl im Turnier bisher. Die Wildcats spielen so tief, dass selbst der Top-Seed-Bankwarm ein Top-Talent wäre. Nächster Gegner: Sieger aus Villanova–Utah State. Kharchenkov lachte nur, als ihn jemand nach einer Prognose fragte: „Wir haben zwölf Starter, nicht fünf.“

Ensmingers herz wird in overtime zerfetzt
Santa Clara führte 70:67, 2,4 Sekunden, Ball in Kentucky-Händen. Otega Oweh wirft, Sekundenuhr tickt, Schleuderwurf von der Seitenlinie – Treffer, 70:70. Die Bank tobte, Ensminger starrte auf die Anzeige, als hätte jemand seine Schuhe versteckt. In der Verlängerung drehten die Wildcats auf, 8:0-Lauf, 89:84. Ensmingers 14 Punkte und 8 Rebounds zählen nur noch in der Statistik, nicht mehr in der Zukunft. „Wir waren drei Minuten vom Traum entfernt“, sagte er leise, noch in Klebeband eingewickelt.

Grünlohs blocks retten virginia
Wright State war nah, 73:73, fünf Minuten vor Schluss. Dann trat Johann Grünloh in Aktion. Drei Blocks in Folge, ein Offensiv-Rebound, zwei Freiwürfe – 9:0-Lauf, 82:73. Virginia entkam, der 2,11-Meter-Mann aus Berlin war der Sicherheitsgurt in einem Auto, das kurz vor dem Absturz stand. Jacari White lieferte 26 Punkte, aber Grünlohs Verteidigung lieferte die Sequenz, die im Kasten war. Nächster Gegner: Iowa State, der 108-Punkte-Monster-Sieg gegen Tennessee State.

Die bilanz nach tag eins
Vier Deutsche stehen in Runde zwei, einer packt bereits die Koffer. Anderson, Kharchenkov, Grünloh und Dominykas Pleta (Iowa State) leben. Ensminger fliegt. 78 deutsche Spieler waren seit 1985 in der March Madness gemeldet, nie zuvor schafften es vier in die zweite Runde im selben Jahr. Die Zahl spricht für sich: Deutschland liefert nicht nur NBA-Rookies, sondern auch NCAA-Überlebende. Der nächste Schritt? Sweet 16. Und Anderson schaut schon mal auf den Kalender: „Wir haben noch sieben Tage, dann wird’s ernst.“
