Deutsche curler schlagen zurück: 6:4 gegen südkorea – playoff-traum lebt

Die Nacht auf Montag war ein Akt der Selbstrettung. Nach zwei Pleiten, die selbst hartgesottene Zuschauer fragen ließen, ob diese Mannschaft in Ogden nur Durchreisender ist, schlug Marc Muskatewitz mit seinem Stein in den letzten End den Schlussstrich. 6:4 gegen Südkorea – ein Sieg, der mehr wert ist als drei Punkte im Tableau.

Der schwache auftritt gegen polen nagt noch immer

Kein deutscher Curling-Fan wird das 4:11 gegen Polen so schnell vergessen. Ein Debakel, das sich buchstäblich in die Historie einbrannte: Polen hatte zuvor bei keiner Weltmeisterschaft je gewonnen. Die italienische Niederlage am Sonntag (5:7) schien dann nur noch konsequent. Doch die Nacht brachte die Wende – und mit ihr die Erkenntnis, dass diese Truppe lernfähig ist.

Mit drei Siegen aus fünf Partien liegt das Team von DCV-Sportdirektor Sebastian Stock auf Playoff-Kurs. Die Top zwei dürfen direkt ins Halbfinale spazieren, die Ränge drei bis sechs müssen in hitzige Barragen. Deutschland steht aktuell auf Rang vier – punktgleich mit Kanada, einem Hauch hinter Schottland.

Norwegen wartet mit overtime-fluch

Norwegen wartet mit overtime-fluch

Am Montag um 17.00 Uhr MESZ geht es gegen Norwegen. Die Skandinaven gelten als Spezialisten für enge Ends, haben in dieser Saison bereits fünf Overtime-Spiele gewonnen. Für Muskatewitz wird es eine Frage der Nervenstärke – und der Taktik. „Wir müssen das Haus früher brennen lassen“, sagte er nach der Nachtschicht, „sonst bekommen wir wieder Steine im Hacken.“

Das Endspiel ist am 4. April. Für Deutschland wäre es das erste WM-Finale seit 2007. Die Erinnerung an Cortina, wo man Olympia-Rang sieben holte und die Medaillenspiele verpasste, wirkt wie ein dunkler Schatten. Ogden bietet die Chance auf Rehabilitierung – und auf eine Premiere, die längst überfällig ist.

Die Olympia-Halle von 2002, in der einst die Ringe flimmerten, ist nun Schauplatz eines kleinen deutschen Wunderwerks. Noch zwei Siege, und der Weg ins Halbfinale ist geebnet. Die Curler wissen: Jeder weitere Fehltritt könnte sie auf schmalem Eis aufführen. Die Zeit der Experimente ist vorbei.