Bruins drehen 0:3-krise in letzter sekunde und schießen sich auf playoff-thron
0:3 nach 20 Minuten, 0:3 nach 40 Minuten – und trotzdem jubelt Boston am Ende. Die Bruins bissen sich in Columbus mit einem 4:3 nach Penaltyschießen den fünften Sieg aus den letzten sechs Spielen und bleiben damit an der Spitze des Wild-Card-Rennens der Eastern Conference.
Die Zahlen lügen nicht: Boston erlaubte sich in der Nationwide Arena eine halbe Stunde lang Schlimmstes, ehe Viktor Arvidsson das Match auf den Kopf stellte. Der Schwede stand an allen drei Aufhol-Toren direkt beteiligt – Assist, Tor, Assist – und verwandelte im Shootout den letzten Handstreich. Erst 11 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit riss Trent Frederic das Netz, nachdem Coach Jim Montgomery den Torwart schon früh für einen sechsten Feldspieler rausgezogen hatte.
Marco sturm jubelt über späte reife
Der ehemalige Bundestrainer und heutige Assistenzcoach der Bruins lehnte sich nach dem Schlussbuzzer gegen die Bande, Atemwolke im kalten Ohio-Nachtluft. „Wir haben gelernt, dass wir auch mal drei Tage hinterherlaufen können und trotzdem gewinnen“, sagte Sturm. Seit seinem Wechsel nach Boston ist das Team 28-12-5 – ein Tempo, das selbst die traditionsreiche Original-Six-Franchise selten gesehen hat.
Die Tabelle spricht Bostonisch: Mit 92 Punkten aus 75 Spielen liegen die Bruins einen Zähler vor den Knicks-Rivalen aus New York und haben zwei Partien in der Tasche. Das Restprogramm verspricht Luft nach oben: Fünf der letzten sieben Gegner stehen unterhalb der Playoff-Linie.
Doch es gibt einen Haken. Die Defensive kassierte in den letzten zehn Spielen 34 Gegentore – so viel wie zuletzt in der Saison 2015/16. Torwart Jeremy Swayman war beim 0:3 nach dem ersten Drittel machtlos, aber die Bilder von fahlen Gesichtern auf der Bank zeigen: Selbst ein Lester mit Playoff-Erfahrung wird nervös, wenn die Scheibe zu oft ins eigene Netz klatscht.

Was der sieg wirklich bringt
Die NHL ist ein Meister der Illusionen. Noch ist nichts gesichert, erst recht nicht in der Eastern Conference, in der sich zwischen Platz 4 und 11 gerade einmal sieben Punkte trennen. Doch die Art und Weise, wie Boston die Partie drehte, liefert ein Psychogramm der Saison: Diese Mannschaft glaubt sich selbst bis zur letzten Sekunde. Und das, obwohl der Kader keinen Superstar um das Kaliber von McDavid oder MacKinnon besitzt.
Die Bruins schicken ein Signal an Florida und Toronto: Wir kommen, egal wie tief das Loch ist. Die nächsten 14 Tage entscheiden, ob das Drama von Columbus nur eine Episode bleibt oder zur Marschrichtung wird. Fest steht: Wer Boston jetzt noch unterschätzt, läuft Gefahr, im April nach Hause zu fahren.