Deschamps explodiert: olise hätte im freundschaftsspiel fast das bein verloren

Didier Deschamps schlägt mit der Faust auf das Pult. 3:1 gegen Kolumbien, zweiter Sieg innerhalb von vier Tagen, doch der französische Nationalcoach redet nicht über Tore. Er redet über ein Bein, das fast gebrochen worden wäre. Über ein Tackling, das in jedem Wettbewerb der Welt Rot hätte bedeuten müssen – nur nicht im Freundschaftsspiel in Miami, wo kein VAR die Kolumbianer stoppt.

Die szene, die deschamps wütend macht

Michael Olise, 24, frisch von Bayern München, sprintet rechts außen. Nachspielzeit, Ball ist eigentlich durch. Dann komft Juan Fernández, mit beiden Stiefeln voran, senkrecht, ungebremst. Olise springt, Millisekunden vor dem Kontakt. Was bleibt, ist ein Knall, ein Aufschrei, ein Trainer, der auf dem Rasen steht und auf Französisch flucht. „Wenn er nicht hochspringt, steht er jetzt mit einem Bein da“, sagt Deschamps später, noch immer zitternd. „Und das in einem Testspiel.“

Der 57-Jährige redet nicht nur über ein Foul. Er redet über eine Kultur, die sich in der CONMEBOL gebührenlos austobt, weil sie kann. Keine Videokontrolle, keine Konsequenz. „Ich habe dem vierten Offiziellen gesagt: Wir sind nicht im American Football“, spuckt Deschamps ins Mikro von TF1. „Tacklings gibt es hier nicht.“

Frankreich gewinnt, verliert aber die nerven

Frankreich gewinnt, verliert aber die nerven

Die Zahlen trügen. Zwei Siege, 5:2 Tore, 35 Minuten in Unterzahl gegen Brasilien – alles läuft. Doch die Stimmung ist verrissen. Weil der Lehrgang im Land der bevorstehenden Weltmeisterschaft schon jetzt aneckt. Stau auf den Zufahrtsstraßen, Sicherheitskontrollen am Flughafen, die Deschamps „so nie gesehen“ hat. Weil die FIFA das Turnier in ein Land verlegt hat, in dem Fußball ein Nebenschauplatz bleibt und sich die Logik des Kontinents durchzieht: harte Grätsche, kein VAR, kein Problem.

Olise selbst schweigt, er läuft noch, das ist die einzige Botschaft, die zählt. Doch die Frage bleibt: Was bringt ein Sieg, wenn der Preis ein Krüppel ist? Und wer garantiert, dass beim nächsten Mal jemand ebenso hochspringt wie der Münchner?

Frankreich reist als Favorit ab, aber mit einem Bein im Gips der Realität. Das andere bereitet sich auf das vor, was kommt – vielleicht ohne VAR, vielleicht ohne Gnade.