Del toro stürmt in camerino zum sieg und kündigt triumph an
In Camerino wartete eine Rampe mit 17 % Steigung, und Isaac del Toro wartete noch länger. Als der Mexikaner endlich zupackte, zerriß er das Feld beim Tirreno-Adriatico. 188 km lang hatte er sich versteckt, dann schlug er zu: 42 Sekunden Vorsprung im Ziel, 42 Sekunden Vorsprung in der Gesamtwertung – die Königsdisziplin gehört ihm, der Siegerkranz auch.
Der 22-jährige UAE-Pilot zeigte auf der sechsten Etappe keine Nerven, sondern Kaltschnäuzigkeit. Er ließ Tobias Johannessen und Matteo Jorgenson zappeln, ehe er sie wegsprintete. Norweger und US-Amerikaner schauten nur noch auf das Hinterrad mit der Startnummer 101, das davonrauschte wie ein Surfboard auf dem Wellengang der Marken.
Pellizzari muss morgen ein wunder schaffen
Italiens Hoffnung Giulio Pellizzari steht vor dem Aus. 42 Sekunden fehlen dem Red-Bull-Bora-Talent auf die Zielankunft in San Benedetto del Tronto – eine Sprintetappe, auf der normalerweise die Zeit neutralisiert wird. Del Toro müsste stürzen oder einen Platzerlebnis haben, damit Pellizzari noch drankommt. Wahrscheinlichkeit: verschwindend gering.
Die UAE-Equine hat die Rennleitung im Griff. Am Samstag fuhr das Team die letzten 50 km im Block, schnürte das Peloton ein, schonte den Leader, kontrollierte die Zeitlücken. Sportdirektor Joxean Fernández Matxin funktioniert wie ein Regisseur: jedes Manöpen einstudiert, jeden Berg geprobt, jeden Gegner erforscht.

Morgen rollt der zirkus in die adria
Sonntag, 142 km, kein Berg, aber jede Menge Druck. Die Strandpromenade von San Benedetto del Tronto wird erneut zum Schauplatz des Siegesfestes. Del Toro könnte dort als erster Mexikaner seit 1987 wieder die „Maglia Azzurra“ überstreifen – damals gelang es Raúl Alcalá. Für Del Toro wäre es der größte Triumph seiner noch jungen WorldTour-Karriere und ein Signal an die Konkurrenz: der neue Stern am Himmel der Klassementfahrer leuchtet aztekenblau.
Die Uhr tickt – 24 Stunden bis zur endgültigen Entscheidung. Die Fans in Mexiko-Stadt feiern schon, die Buchmacher senken die Quoten auf ein Minimum. Das Meer rauscht, die Räder surren, und Isaac del Toro ist nur noch einen Kartenspieltag von der absoluten Spitze entfernt.
