Chukwuemeka fliegt zur öfb-wm-generalprobe – ohne je 90 minuten durchgelaufen zu sein

97 Profispiele, kein einziges über die volle Distanz. Carney Chukwuemeka landet Samstag in Wien, um gegen Ghana und Südkorea seine erste Cap zu jagen, während ihm in Dortmund immer noch die 90-Minuten-Marke fehlt – ein Makel, der selbst im Zeitalter von Rotation und Lastmanagement ungewöhnlich ist.

Der super-sub, der kein super-starter werden darf

Niko Kovac bringt ihn zur rechten Zeit. 61. Minute, 0:2 gegen den HSV, Westfalenstadion tobt. Chukwuemeka ersetzt Marcel Sabitzer, tritt ein, dreht mit – und bleibt trotzdem „nur“ der Ergänzungsmann. 49 Einsätze für Borussia Dortmund, nur acht Mal von Anfang an, nie länger als 83 Minuten. Die kicker-Note 3,5 passt zum Bild: auffällig, aber nicht durchsetzungsstark.

Die Verletzungsliste erklärt nur die Hälfte. Knie, Oberschenkel, Sprunggelenk – 14 Ausfälle in drei Jahren. Doch selbst wenn er fit ist, wartet er. Felix Nmechas Bänderriss öffnet ihm nun theoretisch die Tür, doch intern heißt es: Brandt, Reus, Can – die Hierarchie bleibt. Chukwuemeka muss wieder von der Bank erfinden, was er auf dem Rasen nie ganz zeigen durfte.

Rangnick baut auf den jungen, den keiner durchspielen lässt

Rangnick baut auf den jungen, den keiner durchspielen lässt

Ralf Rangnick schert sich nicht um Bundeslig-Minuten. „Er nominiert sich selbst“, sagt er und lüftet den Vorhang für die WM-Generalprobe. Gegen Ghana und Südkorea will er den 22-Jährigen mindestens 45 Minuten lang sehen – mehr Spielzeit als in 97 Klubspielen zusammen. Torwart Alexander Schlager lacht weg: „Wer spielt in seinem Alter bei Dortmund? Das muss man sich verdienen.“ Die ironische Kehrseite: Verdient hat er es sich eben nicht, weil niemand ihn durchspielen lässt.

Paul Wanner reist mit. Auch er 19, auch er ohne Bundesliga-Minute 2024. Rangnick nennt sie „Zukunftsaktien auf zehn, zwölf Jahre“. Die Bilanz nach 97 Spielen: 0 Tore, 0 Assists, 0 durchgespielte Partien. Die Zukunft wirft Fragen auf, keine Schatten voraus.

Am Freitag um 18 Uhr in Klagenfurt könnte Chukwuemeka endlich jene 90 Minuten kriegen, die ihm Dortmund verweigert. Sollte er sie nutzen, wird ein Paradox verschwinden: Der Mann, der nie durchlief, könnte als Ergänzungsspieler in die WM starten – und von der Bank heraus plötzlich unverzichtbar werden. Dortmund würde gucken. Und vielleicht umdenken.