China krönt sich im rollstuhl-curling: wang und yang schlagen südkorea im herzschlagfinale
472 Zuschauer, ein Extra-End, ein historischer Sieg. Wang Meng und Yang Jinqiao haben in Cortina d’Ampezzo die erste Mixed-Doubles-Goldmedaille der Rollstuhl-Curling-Geschichte geholt – und China damit die zehnte Goldmedaille bei diesen Paralympics beschert. Das 9:7 gegen das Topgesetzte Duo Baek Hyejin und Lee Yongsuk war kein einfaches Erfolgserlebnis, sondern ein Krimi, der die Anlagen der Sportwelt in Atem hielt.
Südkorea führte, china schlug zurück – im letzten stein
Die Koreanerinnen lagen nach dem sechsten End mit 6:4 in Front, doch Wang nutzte das Hammer-Spiel konsequent aus: Ein Doppel-Take-Out im achten End glich zum 7:7 aus, ehe Yang im Zusatzende mit dem allerletzten Wurf den Button sauber rausräumte und zwei Punkte sicherstellte. Die 472 Zuschauer im provisorischen Curling-Stadium tobten, die koreanische Bank verharrte fassungslos.
Die Mixed-Doubles-Disziplin feierte in Norditalien ihre Premiere. Die Regelwerks-Anpassung – nur acht anstelle von zehn Steinen und ein verpflichtender Power Play-End – verlangt Athletinnen eine neue Taktik ab. Weltmeistertrainer Markus Kästner hatte vor Olympia gewarnt: „Wer den Power Play nicht als Waffe nutzt, verliert schnell die Richtung.“ Genau diesen Fehler machten Baek und Lee im siebten End, als sie früh auf das Centre-Guard verzichteten und Wang die Mittellinie übernehmen ließen.

Pelkum und der deutsche blick ins fernsehen
Deutsche Rollstuhl-Curler fehlen in Cortina vollständig – ein Umstand, der in der NRW-Szene für Diskussionen sorgt. Der TSV Pelkum hatte sich mit Steffen Wegener und Melanie Wolff intensiv um ein Ticket bemüht, scheiterte aber an der knappen Qualifikationswertung. „Wir haben die Punkte in den World Cups verpasst, das ist bitter“, sagt Sportvorstand Klaus Richter. „Aber die Jungen sehen, dass Olympia nicht unerreichbar ist.“ Für den Klub, der seit Jahren inclusive Sportförderung betreibt, ist der chinesische Triumph zusätzlicher Brennstoff: „Wenn Wang und Yang das schaffen, schaffen wir den Sprung 2030“, betont Richter.
China hat mittlerweier 26 Medaillen geholt, die USA folgen mit 14. Die chinesische Delegation fuhr bereits acht Tage vor Schlusssprint die meisten Podestplätze ein – ein Vorsprung, der sich in den verbleibenden Wettkämpfen nur noch theoretisch einholen lässt. Im Curling-Team-Wettbewerb sind Wang und Yang erneut gesetzt, diesmal im klassischen 5-gegen-5-Modus. Dort könnte Gold Nummer 11 folgen.
Die Paralympics-Geschichte schreibt sich also weiter – mit oder ohne deutsche Beteiligung. Wer Rollstuhl-Curling künftig ernst nimmt, muss wohl früher oder später nach China blicken. Cortina war erst der Anfang.
