Leverkusen fordert arsenal: havertz kehrt als gegner heim

18.45 Uhr, BayArena, Champions-League-Achtelfinale: Bayer Leverkusen empfängt den FC Arsenal – und mit ihm Kai Havertz, der als 11-Jähriger in die Werkself-Jugend eintrat und heute als 100-Millionen-Mann zurückkehrt. Die Betonung liegt auf Mann, nicht auf Schützling.

Arsenal ist die hausaufgabe, die niemand haben will

Die Nordlondoner siegten in der Gruppenphase achtmal – allein unter 32 Teams. Sie schossen 16 Tore, kassierten drei, liefen mit Kinderzimmer-Spielfreude durch den Europapark. Simon Rolfes nennt sie „Top-Favorit“, was im Klubjargon so viel heißt wie: Wir haben nichts zu verlieren, außer vielleicht das Achtelfinale.

Havertz bringt 25 Freunde und Verwandte mit, verriet Rolfes. Die Kartenliste liest sich wie ein Aachener Telefonbuch. Dabei war seine letzte Pflichtspiel-Rückkehr nach Leverkusen ein Flop: 2021 mit Chelsea verlor er 0-2, blieb ohne Torschuss. Heute ist er Arsenal’s „False Nine“, dazu auserkoren, die Räume zwischen Palacios und Xhaka zu zerstören.

Alonso plant ohne romantik

Xabi Alonso wird sich nicht von Heimspiel-Emotionen treiben lassen. Seine Aufstellung ist geleakt: Kossounou rechts, Hincapié links, Hofmann als „Raumdeuter“ hinter Boniface. Kein Platz für Schick, der nach seiner Patella erst drei Mal von Anfang an spielte. Dafür gibt es ein Debüt: Victor Boniface tritt sein erstes K.-o.-Spiel in Europa an – und muss gegen Saliba und Gabriel bestehen, das beste Innenverteidigungs-Duo der Premier League.

Die Zahlage: Arsenal erlaubt nur 0,7 xG pro Spiel – weniger als jede andere Mannschaft im Wettbewerb. Leverkusen hingegen liefert in der Bundesliga 1,9 xG ab, kassiert aber auch 1,3. Die Lücke ist ein Grand-Canyon, doch Alonso liebt es, sich vermessen zu werden. Sein Trick: Frithuril-Pressing, ein Begriff, den er sich aus dem Eishockey entlieh. Die Idee: Arsenal’s Aufbau so früh verkrüppeln, dass Partey und Rice nie ins Rhythmus-Rollen kommen.

Die Wetterlage spielt mit: 4 Grad, leichter Schneegriesel, Rasen erst um 17.30 Uhr abgedeckt. Das ist nicht die Bühne, auf der Saka dreimal sprinten will. Leverkusen hat in dieser Saison erst eine Heimniederlage kassiert – gegen Bochum, als der Rasen matschig war. Heute wird er eher fest, eher rau, eher so, wie’s die Werkself mag.

Der countdown läuft lautlos

Um 17.55 Uhr betreten die Teams das Feld. Kein Pyro, dafür ein Choreo: „Europe’s Wild Hunt“ prangt auf der Osttribüne. 20.000 Fans halten schwarz-rote Fahnen hoch, die anderen 10.000 sind Arsenal-Pilger, die den Rhein heraufgezogen sind. Der Schiri pfeift – und schon nach 38 Sekunden hat Martinelli die erste Chance. Hrádecký lenkt mit Fingerspitzen über die Latte. Die BayArena zieht die Luft ein, aber nicht die Hoffnung.

90 Minuten später steht es 1-1. Boniface trifft per Kopf, Havertz per Seitfallzieher. Die Rückspiel-Cards sind verteilt, die Torschützen haben ihre Rolle erfüllt. Leverkusen reist mit einem Resultat, das größer wirkt als es ist. Arsenal reist mit einem Unbehagen, das kleiner wirkt als es ist. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen – und wird am 13. März in London aufgedeckt.