Hc davos zertrümmert 113-punkte-marke und jagt den nächsten rekord
Die Luft in der Dischma wird dünner: Mit 116 Punkten hat HC Davos nicht nur die eigene Bestmarke von 2010/11 pulverisiert, sondern die National League in eine Dimension katapultiert, die seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 2006 niemand erreicht hat.
Der 2:1-Erfolg gegen Meister ZSC Lions war der Funke, der die alte Grenze von 113 Zählern sprengte. Josh Holdens Truppe fuhr danach gegen EHC Biel nach – und rückt nun auf 116 Punkte heran, nur drei hinter dem ewigen Bestwert der ZSC Lions (2019/20).
Die tabelle lügt nicht, aber sie schmeichelt
Die Liga auf 14 Teams zu erweitern war kein Gimmick, sondern ein Turbo. Seit 2020/21 explodieren die Punktekurven, doch Davos lotet das System auf die Spitze: 38 Siege, nur acht Niederlagen, ein Torverhältnis von 194:111. Die Bündner gewinnen auch dann, wenn sie nicht glänzen – und das macht sie gefährlicher als jedes Power-Play.
Die Mutzen von SC Bern? 111 Punkte in 2007/08, damals sensationell, heute nur noch Fußnote. Bern schaffte es in fünf weiteren Saisons über 100 Punkte, kam aber nie wieder an die 111 heran. Davos hingegen schreibt mit jedem Spiel neue Zahlen in die Chronik.

Holdens geheimnis heißt „second-layer-speed“
Der Kanadier verlangt von seinen Centers nicht nur Vorwärtsdruck, sondern eine zweite Welle, die den Gegner sofort wieder einkreist. Die Resultate: 52 Gegentore weniger als in der Vorsaison, 11 Shorthander-Treffer – Liga-Bestwert. Die Statistik-Abteilung der Swiss Ice Hockey Federation twitterte nach dem Biel-Spiel schon halb im Scherz: „Wir brauchen neue Excel-Zellen.“
Doch der Rekord ist nur Makulatur, wenn in zwei Wochen das Playoff-Ticket zerreißt. 2011 stolperte Davos trotz 113 Punkten bereits im Viertel gegen Fribourg – ein Trauma, das bis heute nachhallt. Holdens Antwort darauf ist ein Kader, der vier Reihen tief geht und auf die Frage „Wer schießt das wichtige Tor?“ lauter Namen nennen kann: Kousal, Bertschy, Frehner, Paschoud, Egli, Rod, Wieser.
Der Gegner reagiert mit Mischung aus Ehrfurcht und Wut. „Wenn du in Davos ein Tor erzielst, kommt die nächste Welle schon um die Ecke“, sagt ZSC-Coach Marc Crawford nach dem 1:2. „Das fühlt sich an, als würde man gegen ein endloses Power-Play spielen.“
Die Liga schaut gebannt auf die restlichen Partien: Lugano (A), Genf (H), Langnau (A). Theoretisch sind 122 Punkte drin – dann wäre selbst der ZSC-Rekord Geschichte. Doch Holden will nicht von „möglichen 122“ reden, sondern von „nötigen 16 Playoff-Punkten“. Der HC Davos hat die Regular Season dominiert wie kein Team zuvor. Nun muss er beweisen, dass Rekorde nicht nur schön sind, sondern auch Meisterschaften einbringen.
