Chaves versenkt augsburg in der nachspielzeit – leipzigs glücksritter jubeln

Arthur Chaves wollte eigentlich klären, schickte stattdessen den Ball ins eigene Netz – und RB Leipzig eine Runde weiter Richtung Champions League. Die 2:1-Heimniederlage stoppt Augsburgs Siegesserien nach 270 Minuten, versetzt Manuel Baum in ein Déjà-vu aus seiner Leipziger Vergangenheit und wirft die Frage auf: Wie viel Pech darf ein Abwehrmann haben?

Die zahlen, die alles sagen

47 Punkte nach 25 Spieltagen – das ist Leipzigs bester Wert seit der Meistersaison 22/23. Der Siegtreffer fiel in der 90.+2, die frühere Führung der Gäste in der 39. Minute durch Robin Fellhauer war längst vergessen. Yan Diomande hatte mit dem 1:1 (76.) den Boden bereitet, doch der Treffer des Tages trägt einen Namen, den kein Statist vorhersah.

Chaves’ Eigentor war das vierte seiner Karriere – kein Bundesliga-Verteidiger kassierte in den letzten fünf Jahren mehr. Die Aktion selbst war symptomatisch: Leipzigs Pressing zog den FCA auseinander, die Hereingabe von Loïs Openda war eigentlich ungefährlich, doch der Brasilianer trat dazwischen und lenkte das Leder aus sieben Metern unhaltbar für Tomas Koubek ins kurze Eck.

Was baum in leipzig zurückließ – und was ihn einholte

Was baum in leipzig zurückließ – und was ihn einholte

Manuel Baum kennt jeden Quadratmeter des Trainingszentrums an der Cottawegstraße. Von 2023 bis 2025 baute er hier den Nachwuchs um, verabschiedete sich, weil er „neue sportliche Herausforderungen“ suchte. Diese führten ihn nach Augsburg – und direkt ins Leipziger Kollisionsgebiet. Sein Plan: tiefes 5-3-2, Konter über die Außen, frühe Standards. Die Taktik funktionierte 88 Minuten lang.

Dann schlug Ole Werner die einzige Waffe ein, die ihm blieb: reine Wucht. Benjamin Henrichs rückte ins Mittelfeld, Xavi Simons wurde zweite Spitze, die Flanken kamen im Minutentakt. Die Augsburger Abwehr stand noch sicher, doch der Ball, der zum 2:1 führte, war nicht mehr zu kontrollieren. Baum stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, wusste: Diese Niederlage steht in den Statistikbüchern, sein Name aber steht wieder in Leipzig.

Die leipziger lehre: effizienz kann man sich nicht erarbeiten

Die leipziger lehre: effizienz kann man sich nicht erarbeiten

RB dominierte 72 Prozent Ballbesitz, schoss 18-mal, traf nur zweimal. Die Großchance zum 1:0 vergab Christoph Baumgartner bereits in der fünften Minute, den Elfmeter hielt Maarten Vandevoordt gegen Keven Schlotterbeck. Die Leipziger liefen sich fest, weil sie sich selbst im Weg standen. „Wir müssen lernen, Tore vorzubereiten, nicht nur zu erarbeiten“, sagte Werner nach Abpfiff. Die Botschaft ist klar: Punkte holt, wer die Ruhe vor dem Tor behält.

Nächste Woche wartet der VfB Stuttgart, danach die TSG Hoffenheim – beides Direktduelle im Kampf um Platz vier. Die Ausgangslage ist besser als vor 90 Minuten, doch der Weg ist steinig. Denn wer sich auf Gegentore verlässt, darf sich nicht wundern, wenn das Glück irgendwann die Seiten wechselt.

Leipzig jubelt, Augsburg hadert – und Arthur Chaves wird diese Nacht nicht schlafen. Die Bundesliga schreibt eben nicht nur Geschichten über Helden, sondern auch über Zufall und Schicksal. Die nächste Szene ist schon morgen um 15.30 Uhr im Programm, doch die Nachhallzeit dieses Eigentors reicht bis in die Europapokal-Ränge. Wer oben mitspielen will, muss auch dann treffen, wenn keiner mehr damit rechnet.