Celtics patzen: mazzullas riskantes schachzug kostet titel!
Boston – Schock in der TD Garden: Die Boston Celtics haben in einem denkwürdigen Spiel 7 gegen die Philadelphia 76ers eine bittere Niederlage kassiert und damit die Hoffnungen auf den 18. NBA-Titel platzen lassen. Nicht nur die verpasste Chance, sondern vor allem eine fragwürdige taktische Entscheidung von Coach Joe Mazzulla wirft lange Schatten auf die Leistung der Celtics.
Die embiid-dominanz und das fehlen eines dominanten big man
Die Sixers präsentierten sich in den entscheidenden Spielen 5 bis 7 als das klar überlegene Team. Und das lag vor allem an Joel Embiid, der in dieser Phase der Serie zum unaufhaltsamen Dreh- und Angelpunkt der Offensive wurde. Mazzulla räumte es selbst ein: Als Embiid wieder in Form war, veränderte sich die Dynamik der Serie. Nach anfänglichen Distanzwürfen erkannte Embiid, dass seine Stärke im Inside-Bereich lag, wo die Celtics-Innenverteidigung um Al Horford und Luke Kornet keine Antwort auf seine Durchbrüche hatte. Gegen die jungen und unerfahrenen Alternativen Garza und Queta, sowie den oft bewegungsunfähigen Vucevic, konnte Embiid seine Klasse voll ausspielen. Er dominierte im Post-Up, zog Fouls und fand seine Mitspieler mit klugen Pässen. Es ist kein Geheimnis: Embiids Rückkehr machte die Sixers zu einem deutlich besseren Team, was bereits in der Regular Season durch die deutlichen Leistungsunterschiede mit und ohne den Center unterstrichen wurde.
Die Erkenntnis, dass ein dominanter Big Man in der modernen NBA unerlässlich ist, um in den Playoffs bestehen zu können, sollte bei den Celtics Anlass zur Selbstreflexion geben. Während Teams wie die Nuggets mit Jokic, die Spurs mit Wemby oder Minnesota mit Gobert auf solche Spieler setzen, scheint Boston in der Kaderplanung der vergangenen Saison diesen Aspekt vernachlässigt zu haben.

Mazzullas riskantes experiment: ein eigentor?
Im entscheidenden Spiel 7 versuchte Mazzulla, die Sixers mit einer überraschenden Starting Five aus der Fassung zu bringen. Garza, Harper Jr. und Scheierman durften beginnen – eine Entscheidung, die sich als katastrophal erwies. Nach nur vier Minuten und einem frühen 11:3-Rückstand für die Celtics war klar, dass dieses Experiment gescheitert war. „Wir wollten taktisch ein paar Dinge ausprobieren, um die Serie zu verändern“, erklärte Mazzulla im Nachgang. Aber anstatt die Sixers zu überraschen, wirkte sich die veränderte Aufstellung destabilisierend auf das eigene Team aus. Das unerfahrene Trio wirkte überfordert und leistete der Physis und dem Druck der Sixers kaum Widerstand. Die Bilanz des Trios spricht Bände: 34 Minuten Spielzeit, 0 Punkte, 0/7 Feldwurfversuche, sechs Rebounds, zwei Assists, zwei Steals und ein negatives Plus-Minus.
Der fehlende Tatum-Effekt: Ein weiterer entscheidender Faktor war das Fehlen von Jayson Tatum in entscheidenden Momenten. Obwohl er in der Saison zuvor beeindruckte, schien ihn die Knieverletzung in diesem wichtigen Spiel zu beeinträchtigen. In einer Situation, in der die Celtics dringend einen Scorer brauchten, der im Crunchtime Verantwortung übernimmt, fehlte Tatums Präsenz und sein unberechenbarer Spielstil. Jaylen Brown und Derrick White kämpften verbissen, doch gegen die dominante Leistung der Sixers reichte es nicht aus. Die Celtics verließen sich erneut zu sehr auf den Dreier, der in den vorherigen Spielen bereits Schwächen gezeigt hatte.

Die zukunft der celtics: was muss passieren?
Brad Stevens, President of Basketball Operations, steht nun vor einer schwierigen Aufgabe. Mit 180 Millionen Dollar an garantierten Gehältern für die kommende Saison hat er zwar gewisse finanzielle Spielräume, aber die Kaderplanung muss dringend überdacht werden. Die Option auf Neemias Queta sollte definitiv verlängert werden, da er sich als wertvoller Big Man bewiesen hat. Gleichzeitig muss Boston einen erfahrenen Center finden, der die Innenverteidigung stabilisiert und Embiid Paroli bieten kann. Gerüchte über mögliche Tauschgeschäfte mit Spielern wie Daniel Gafford oder Onyeka Okongwu könnten in Erwägung gezogen werden. Auch ein Gespräch mit Derrick White ist unerlässlich, da seine offensive Leistung in den Playoffs hinter den Erwartungen zurückblieb. Die Celtics müssen erkennen, dass die Regular Season und die Playoffs zwei unterschiedliche Welten sind und dass in den entscheidenden Spielen die Stars den Unterschied machen müssen – und das geht ohne einen dominanten Big Man nur schwer.
Die Niederlage gegen Philadelphia ist ein Weckruf für die Celtics. Die Zeit für Ausreden ist vorbei. Es gilt, die Fehler zu analysieren, den Kader zu verstärken und sich auf die nächste Saison vorzubereiten – mit dem klaren Ziel, den 18. Titel nach Boston zu holen.
