Cardinale fliegt zum derby: milliarden-deal und nba-europa im gepäck

Gerry Cardinale wird am Sonntagabend in der Ehrentribüne von San Siro sitzen – und das ist kein Zufall. Der Investor hinter RedBird Capital, der AC Milan für 1,2 Milliarden Euro kaufte, landet mit einem Bombengeschäft in der Tasche und zwei milliardenschweren Projektentwürfen auf dem Schreibtisch: einem neuen Stadion und einer NBA-Franchise in Mailand.

Das dritte mal in 50 tagen – ein rhythmus, der signale setzt

21. Januar: Treffen mit Zlatan Ibrahimović, Lunch mit Trainer Stefano Pioli, Rundgang durch Milanello. 15. Februar: wieder in der Via Turati, diesmal mit offiziellem Termin in der Lega Serie A. Nun das dritte Mal in nicht einmal zwei Monaten. Wer so oft an Ort und Stelle erscheint, will mehr sehen als nur Tore. Er will Zahlen. Und er will Entscheidungen.

Die Rechnung ist einfach: Ohne eigenes Stadion bleibt der Milan ein Mieter, und Mietern gehört die Zukunft nicht. Inter und Milan müssen sich bis spätestens Juni auf einen gemeinsamen Neubau einigen – sonst droht der Bürgerentscheid, sonst droht Verzögerung bis 2030. Die Entwürfe von Manica und Foster + Partners liegen, die Kosten schwanken zwischen 1,0 und 1,3 Milliarden. Cardinale will Signings, VIP-Logen, E-Sport-Arenen, ein Entertainment-Dorf rund um den Rasen. Kurz: ein amerikanisches Kino, in dem der Milan die Hauptrolle spielt.

Nba europe – der zweite große fisch

Nba europe – der zweite große fisch

Parallel läuft ein Projekt, das noch weniger italienisch klingt: NBA Europe. Die Liga plant 2025/26 erstmals feste Teams in London, Paris, Berlin – und Mailand. Cardinale will die Farben rossoneri auf Basketball-Trikots bringen, die Marke Milan global verankern. Bis Ende März sollen erste, unverbindliche Gebote abgegeben werden. Der Preis: 100 Millionen Startgebühr, plus Arena, plus Marketingrechte. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass Paramount – an der RedBird beteiligt – gerade den 94-Milliarden-Euro-Deal mit Warner Bros. Discovery abgeschlossen hat. Kleines Stadion, große Bühne.

Der Sieg im Derby wäre ein passendes Schmankerl. Der erste Saisonbesuch Cardinales endete am 3. September 2022 mit einem 3:2 gegen Inter – damals mit dem frisch gewonnenen Scudetto auf der Brust. Wiederholung gewünscht? Die Statistik spricht gegen ihn: Milan hat die letzten beiden Derbys verloren, Inter führt die Tabelle an. Doch Cardinale kennt die Geschäfte, in denen der Underdog am Ende den höheren Börsenwert hat.

Am Sonntag wird er wieder auf der zentralen Ehrentribüne sitzen, Krawatte locker, Blick aufs Spielfeld, Kopf im Kalkül. Ein Tor kann Spielstände ändern. Ein Stadion kann Einnahmen verdoppeln. Eine NBA-Franchise kann Kontinente verbinden. Für Cardinale ist das Derby erst der Auftakt – das eigentliche Match läuft parallel in Büros, in denen über Milliarden und Medienrechte verhandelt wird. 90 Minuten Fußball, unendliche Zahlen danach. So sieht Sport im 21. Jahrhundert aus.