Sandra schmirler starb vor 26 jahren – und kanada weint noch

Am 2. März 2000 erlosch in Regina das Licht der größten Curlerin aller Zeiten. Sandra Schmirler war 36 Jahre alt, Mutter zweier kleiner Töchter und eben noch Olympiasiegerin. Ihr Tod war kein Nachruf, es war ein nationaler Schock.

Die Nachricht durchraste das Land wie ein Eissturm. 15.000 Menschen standen in der winterkälte Regina, um „Schmirler the Curler“ die letzte Ehre zu erweisen. Die Flaggen wehten auf Halbmast, der Premier stoppte den Parlamentsbetrieb. Kanada hatte nicht nur eine Sportlerin verloren – es hatte seinen Strahlkörper verloren.

Der aufstieg einer frau, die zuerst mutter war, dann legend

Keine Drehbuchautorin hätte sich das ausdenken können: Lehrerin aus der Prärie, Kind an der Hand, kommt mit drei Freundinnen ins Nationalecho, räumt innerhalb von fünf Jahren drei Weltmeisterschaften ab und krönt sich 1998 in Nagano mit dem allerersten olympischen Curling-Gold. Das Team sah aus wie die Nachbarschaft beim Kaffeeklatsch – und spielte wie Maschinen. Die Gegnerinnen nannten es „das Regina-Massaker“.

Die Magie lag im Widerspruch. Schmirler war Kapitänin mit Laserblick, aber Stimme wie ein Radio-Sidekick. Sie analysierte Eisdichte und Frisuren der Zuschauer gleichermaßen. Als sie 1997 in Bern den dritten WM-Titel holte, fragte ein Reporter, wie es sich anfühle, die Beste zu sein. „Ich muss heute Abend trotzdem meinem Sohn die Schulaufgaben erklären“, lachte sie.

Das nagano-drama, das ein ganzes land vor den fernseher nagelte

Das nagano-drama, das ein ganzes land vor den fernseher nagelte

Das Halbfinale gegen Großbritannien ging in die Extrarunde. Letzter Stein, letzte Sekunde. Schmirler legte sich aufs Eis, schob, traf – Haus leer. Das kanadische Fernsehen sendete fortan in Dauerschleife das Bild ihres Jubelkreisens. Im Finale gegen Dänemark wiederholte sie die Prozedur. 7:5 – Gold.

Als die Maschine in Regina landete, leuchteten die Lichter nicht wegen eines Feuers, sondern wegen 1.500 Menschen mit Fackeln. Die Mannschaft dachte zuerst an einen Notfall. Dann kapierten sie: Sie waren der Notfall – aus Liebe.

Krebsdiagnose statt training

Krebsdiagnose statt training

Die Rückenschmerzen während der zweiten Schwangerschaft schoben die Ärzte auf die Gebärmutter. Als Brustkrebs im Juni 1999 diagnostiziert wurde, war der Tumor schon so groß wie ein Curling-Stein. Drei Operationen, Chemo, Bestrahlung – sie kämpfte wie beim Takeout: gerade, präzise, ohne Selbstmitleid. Am 2. März 2000 erlag sie dem Tumor. Ihre letzten Worte: „Passt auf meine Mädchen auf.“

Das vermächtnis zählt in neonatal-intensivbetten

Die Sandra Schmirler Foundation hat seit 2001 über 10 Millionen kanadische Dollar in 130 Krankenhäuser gesteckt – für Beatmungsgeräte, Inkubatoren, Überwachungsmonitore. Mehr als 70.000 Frühgeborene sollen damit gerettet worden sein. Jeder Cent erzählt die Geschichte einer Mutter, die nicht mehr für ihr Kind kämpfen konnte, aber für fremde.

Bei den nationalen Curling-Meisterschaften wird jedes Jahr der „Schmirler Shot“ ausgezeichnet – nicht für den spektakulärsten Sieg, sondern für die ruhigste Figur unter Druck. Die Trophäe ist ein Stein mit ihrer Handschrift graviert: „Keep it simple“.

Kanadas Sportler des 20. Jahrhunderts? Wayne Gretzky. Die größte Legende? Eine Lehrerin aus Saskatchewan, die zeigte, dass Helden nicht in Schulen, sondern in Schulbüchern landen. Wenn heute ein Stein über das Eis rauscht, klingt es wie ein leiser Gruß: Schmirler ist noch im Haus.