Capaldo-blackout: hsv verliert seine schaltzentrale vor dortmund

Nicolas Capaldo sitzt wieder in der Kabine, das Trikot hängt im Schrank. Der HSV spielt am Samstag in Dortmund – und sein Motor läuft noch auf Sparflamme. Die Bauchmuskelblessur, die der Argentinier sich Anfang März gegen Leipzig zuzog, nagt an der ganzen Mannschaft.

Trainer Merlin Polzin redet offen: „Capi zieht seine Energie durchs ganze Spielfeld wie ein Kabel. Wenn die Verbindung unterbrochen ist, fällt das Stromnetz aus.“ Keine Ausrede, aber eine Erklärung für die zwei Punkte aus den letzten drei Spielen.

Warum omari die lücken nicht schließt

Warmed Omari spielte gegen Köln solide, doch er bleibt ein Verteidiger klassischer Prägung. Capaldo dagegen rast als Innenverteidiger in die gegnerische Hälfte, spielt den ersten Pass durch die Linie, schaltet das Mittelfeld um. Ohne ihn verharrt der HSV zu oft in Staffelung, statt Umschaltmomente zu erzeugen. Die Statistik liefert den Beweis: mit Capaldo 2,1 Tore pro Spiel, ohne ihn 1,2.

Polzin hatte nach dem 1:1 gegen Köln noch auf eine Punktlandung gehofft. Dann kam Montag, und der Argentinier trabte allein rund um den Rasen. Die Schmerzen in den Bauchmuskeln schießen zurück, sobald er Sprintintensität erreicht. „Wir sind bei 70 Prozent“, sagt der Trainer, „aber die letzten 30 fehlen am Wochenende.“

Die Angst vor einer Fehlbelastung ist groß. Die medizinische Abteilung warnt: eine erneute Dehnung könnte Capaldo für sechs Wochen rauswerfen. Dann stünde nicht nur das Augsburg-Spiel auf dem Spiel, sondern auch die Relegation, sollte der HSV in der Tabelle weiter abrutschen.

Interne lösung statt transfer-panik

Interne lösung statt transfer-panik

Polzin will nicht vom Transfermarkt träumen. Stattdessen flüstert er mit Moritz Heyer und Stephan Ambrosius über eine Doppelsechs-Variante, in der einer der beiden kurz in die Viererkette rutscht, wenn der Ball verloren geht. Eine Notlösung, die vor allem eins braucht: Laufvermögen von den Außenbahnen.

Die Spieler haben die Botschaft verstanden. Im Training am Millerntor sprintete Bakery Jatta jeden Ball bis zur Grundlinie, Sonny Kittel verlangte Extra-Einheiten im Fitnesszentrum. Der Dressing Room schaltet auf Selbsthilfe – aus Angst, die Saison könnte ihm entgleiten.

Am Samstag um 18.30 Uhr steht der HSV im Schatten von 81 000 in Dortmund. Wieder ohne Capaldo, wieder mit dem Vorwurf, nur halb so lebendig zu wirken. Polzin wird an der Seitenlinie stehen, die Hand in der Hosentasche, und hoffen, dass seine Jungs die fehlende Energie aus der eigenen Reserve saugen.

Die Wahrheit ist hart: ein Spieler kann eine ganze Mannschaft tragen – aber nur, wenn er läuft. Solange Capaldo auf der Bank sitzt, muss der HSV beweisen, dass er auch ohne seine Schaltzentrale Strom hat. Sonst wird Dortmund die Lichter ausknipsen.