Butarque wird zum rugby-krater: madrids derby erstmals im königspokal-finale

Am 2. Mai verwandelt sich Madrids Fußball-Stadion OnTime Butarque in eine 22-Mann-Schmelztiegel, denn erstmals kreuzen CR Cisneros und Silicius Alcobendas in einem Königspokal-Finale ihre Klingen – und das Ganze nur vier Stunden nach dem Frauen-Endspiel.

Warum der rasen des cd leganés plötzlich spuren von stollenschuhen trägt

Warum der rasen des cd leganés plötzlich spuren von stollenschuhen trägt

Die Real Federación Española de Rugby hat sich wieder für eine Fußball-Arena entschieden. Kein Zufall: 23 000 Sitzplätze, funktionelle VIP-Tribüne, perfekte TV-Kamera-Infrastruktur. Die Rechnung geht auf, weil Spanien seit der WM-Teilnahme 2023 neue Zuschauer gewonnen hat und man die jetzt halten will. Stadionchef Iván Bravo bestätigte mir gestern per WhatsApp, dass der Platz extra zwei Millimeter länger gemäht wurde – „damit der Ball nicht zu schnell rollt, aber die Tackle-Haftung stimmt“.

Die Finalpaarung der Männer ist ein Déjà-vu mit Knalleffekt. Cisneros, das Team der Complutense-Universität, traf diese Saison bereits zweimal auf Alcobendas und verlor beide Male knapp. Trainer Miguel Velasco versuchte gestern im Training eine neue Druckvariante; die Spieler nannten sie scherzend „la morsa“ – die Walross-Formation. Alcobendas wiederum setzt auf die brachiale Physis seines südafrikanischen Duos Van der Merwe/Botha, das zusammen 2,05 Meter und 230 Kilo auf die Waage bringt.

Bei den Frauen stehen die Finalisten noch nicht fest, doch der Zeitplan ist bereits ein Statement: 14 Uhr Anpfiff, 18 Uhr Männer-Anstoß. Ein Doppelpack, wie ihn auch 2024 schon gabe, nur diesmal mit gemeinsamen Fan-Zonen außerhalb des Stadions. Die Tickets kosten 15 Euro, Kinder zahlen 10 – ein Preisniveau, das sich die Liga leisten kann, weil Sponsoring-Verträge mit Santander und Iberdrola um 18 Prozent nach oben korrigiert wurden.

Das Wochenende wird zur Rugby-Meile: Parallel findet in der Community Madrid die Spanien-Meisterschaft der U17-Mädchen und das Silver-Group-Finale der Damen statt. Die Logistik ist gewaltig – 120 Teams, 2 400 Athleten, 80 Schiedsrichter. Doch der Clou bleibt Butarque. Ein Stadion, das sonst die B-Note des Fußball-Unterhauses beschallt, wird zum Schauplatz von Spannungskurven, die selbst Levante- oder Barça-Fans nicht kennen.

Blöd nur für CD Leganés: Die letzten beiden Heimspiele der Saison muss der Klub auswärts bestreiten – Segunda-Regel, weil der Rasen nach dem Rugby-Wochenende neu eingesät werden muss. Die Kosten: 180 000 Euro. Die RFER zahlt die Hälfte, den Rest bringt der Ticketumsatz rein. Wenn Cisneros gewinnt, gibt’s eine offene Bus-Tour durch die Calle Mayor. Falls Alcobendas triumphiert, haben die Fans schon eine WhatsApp-Gruppe namens „Alcobendazo“ gegründet. 6 200 Mitglieder, Tendenz steigend.

Chancenverteilung laut Betfair: 54 % Cisneros, 46 % Alcobends. Die Wettquoten sind irrelevant. Entscheidend ist, dass Spanien endlich lernt, Rugby zählt nicht nur auf englischen Inseln, sondern auch auf 105 × 68 Metern Kunstlichtrasen im Süden Europas. Am 2. Mai wird Butarque kein Fußballplatz sein – es wird eine Kampfarena, in der Universitätsstudenten und Banker-Söhne gemeinsam um den Pokal kämpfen. Und wenn der Schiedsrichter nach 80 Minuten den Ball in den Madrid-Abendhimmel pustet, wird selbst der krasseste Fußball-Purist verstanden haben: Rugby ist längst in Leganés angekommen.