Bulgariens fußball-ikone mihailov stirbt mit 63 – seine strafraum-heldentaten leben weiter
Er wehrte zwei Elfmeter ab und schob Bulgarien ins WM-Halbfinale – jetzt ist Borislav Mihailov mit 63 Jahren gestorben. Der frühere Verbandschef erlag in Sofia den Folgen eines Schlaganfalls, den er sich Ende 2023 zugezogen hatte.

Ein nachruf zwischen trikot und tränen
Mihailovs Handschrift stand im Juli 1994 in Giants Stadium geschrieben. Bulgarien gegen Mexiko, 1:1, Viertelfinale. Elfmeterschießen. Erst parierte er den Schuss von Alberto García Aspe, dann hielt er gegen Carlos Hermosillo. Das Stadion tobte, seine Mitspieler trugen ihn wie einen Heiligen. Die spätere 3:2-Niederlage gegen Schweden im Halbfinale konnte dem Mythos nichts anhaben – der Mann mit der Nummer 1 war längst Legende.
102 Länderspiele, zwei Weltmeisterschaften, dreimal bulgarischer Fußballer des Jahres – die Statistik liest sich wie ein Lehrbuch für Nachwuchskeeper. Doch die Zahl, die heute zählt, ist 63. So jung, sagen Freunde, so unerwartet. Hristo Stoichkov, einst sein Schützling, später sein Kritiker, brach auf Facebook in Klagelieder aus: „Warum so schnell, Bobi? Du warst unser Kapitän, unser Fels. Die Tränen hören nicht auf.“
Nach der Karriere schwang Mihailov in Büros statt in Strafraumfetzen. Seit 2005 präsidierte er den bulgarischen Verband, mit kurzer Unterbrechung bis 2023. Skandale wegen Korruptionsvorwürfen, Rassismus-Ermittlungen, Sponsoring-Streits – er überstand alles und trat doch nie aus dem Licht. Zu sehr erinnerte man sich an jene Nacht in New Jersey, als er Mexiko den Traum zerstörte.
Die letzten Monate verbrachte er zwischen Intensivstation und Familie. Seine Frau Maria pflegte ihn, seine Töchter lasen ihm Zeitungsartikel vor. Am Sonntagmorgen erloschen die Monitore. Die Nachricht erreichte Sofia zur Halbzeit des Pokalfinals – ein Land hielt den Atem an.
Die Bulgaren werden ihn am Freitag auf dem Orlovo-Grabfriedhof beerdigen. Die Nationalmannschaft trägt im Juni gegen Serbien schwarze Binde. Und irgendwo in den Archivebenen von FIFA+ läuft noch immer das Video, wie Mihailov nach dem zweiten gehaltenen Elfmeter triumphierend die Arme spreizt – ein Bild, das die Zeit nicht verblassen lässt.
