Wück zwingt österreich ins laufverbot – sein plan macht dfb-elf zur geduldsprobe

Christian Wück hasst Oberflächlichkeit. Deshalb klingt seine Analyse wie ein Befehl: „Wir müssen uns opfern, um andere in Szene zu setzen.“ Die deutsche U23-Nationalmannschaft trifft am 14. April in Nürnberg und am 18. April in Ried auf Österreich – und der Bundestrainer erwartet ein 90-minütiges Schachspiel gegen einen Gegner, der sich hinten reinstellt und wartet.

Die Qualifikation für die WM in Marokko verläuft bisher glatt: Spanien, Norwegen, Frankreich – alles Gegner, die mitspielen wollten. Gegen Österreich droht nun das Spiegelbild. „Das wird anders“, sagt Wück. „Wir sind es gewohnt, dass uns jemand anlaufen lässt. Jetzt müssen wir die Lücke selbst reißen.“

Tiefenläufe statt tiki-taka: wück fordert selbstaufgabe

Der Plan ist simple Radikalität. Ballbesitz allein reicht nicht. Wer sich nicht in die Tiefe wirft, öffnet keinen Raum. Wer keinen Raum öffnet, findet kein Tor. Die Läuferinnen sollen sich absichtlich in die Zange nehmen laufen, damit die Mitspielerin frei wird. „Irgendjemand muss sich opfern“, wiederholt Wück und klingt dabei wie ein Lehrer, der die Revolution der kleinen Läufe predigt.

Die Zahlen bestätigen seine These. In den letzten drei Spielen fielen acht Tore – sechs nach Flanken oder Doppelpasst im engen Raum. Genau diese Muster will Österreich verhindern. Die Österreicherinnen kassierten bisher 15 Gegentore, aber nur zwei nach Kontern. Sie verteidigen tief, kompakt, mit fünf Kettengliedern. Um sie zu sprengen, braucht es berechenbare Unberechenbarkeit.

Personal-poker ohne bühl: breite statt star

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Klara Bühl fehlt wegen einer Muskel-Sehnen-Verletzung. Für Wück kein Grund zur Panik, sondern ein Testlauf für den Ernstfall. „Wir sind flexibel“, sagt er. „Wir haben mehrere Optionen auf den Außen.“ Larissa Mühlhaus etwa, zuletzt noch überzeugend, wurde zurück in die U23 degradiert – weil Wück harte Entscheidungen nicht länger scheut.

Der Kader wächst, aber noch nicht überall. „Auf einigen Positionen fehlt noch ein zweites, besser ein drittes und viertes Rad“, gibt er offen zu. Das Scouting-Team soll bis Sommer 25 Profil-Listen mit Alternativen liefern. Das Ziel: Jede Verletzung darf nur noch ein Personal-Puzzle, kein System-Crash sein.

Am 14. April um 18:15 Uhr in Nürnberg, vier Tage später in Ried, geht es nicht nur um seife Punkte. Es geht um die Frage, ob Deutschlands Talente lernen, sich selbst aus dem eigenen Ballbesitz zu befreien. Wück will keine Dribbelköniginnen mehr sehen, sondern Läuferinnen, die sich selbst abschießen – für den kollektiven Knockout. Wer das versteht, darf nach Marokken fliegen. Wer nicht, landet im Video-Loop der nächsten Analyse.