Braathen schlägt odermatt erneut – das duell der giganten eskaliert

Ein einziger Schwung reichte. Lucas Pinheiro Braathen katapultierte sich im slowenischen Kranjska Gora erneut in die Rolle des Party-Crashers und riss Marco Odermatt die Krone aus der Hand, bevor der Schweizer sie endgültig aufsetzen durfte. 103 Punkte Vorsprung hatte Odermatt mitgebracht, verließ aber als Fünfter mit 48 Punkten Polster – und mit Stirnrunzeln statt Champagnerlaune.

Braathens zweiter olympia-coup

Der 25-Jährige fuhr zwei Runs, die wie aus einem Lehrbuch klingen: kantig, aggressiv, fehlerfrei. 0,54 Sekunden trennten ihn am Ende von Loic Meillard, 0,80 Sekunden von Stefan Brennsteiner. Die Botschaft: Olympia war kein einmaliger Schluck Adrenalin, sondern der Beginn einer Ära. „Ich spüre, dass sich alles fügt“, sagte Braathen, der ab Sommer sogar nach Brasilien zieht – für die Liebe zu Schauspielerin Isadora Cruz und wohl auch für mentale Frische jenseits der Alpen-Tunnel.

Odermatt dagegen wirkte wie jemand, der plötzlich merkt, dass der Gipfel doch nicht ganz so einsam ist. „Ich hatte nicht die Geduld und den Mut“, gestand er nach dem ersten Lauf, in dem er bereits fast eine Sekunde Rückstand schleppte. Statt aufzuholen, rutschte er im Finale sogar auf Rang sechs ab, ehe Marco Schwarz mit einem Fehlversuch Odermatts fünften Platz rettete.

Deutsche fliegen unter dem radar

Deutsche fliegen unter dem radar

Während die Kameras auf das Duell der Superstars zoomten, schraubten sich Anton Grammel und Jonas Stockinger in die beste deutsche Saison-Show. Grammel, lange der Mann für Platz 15 bis 25, raste mit einer Attacke, die selbst seine Stabschefs verstummen ließ, auf Rang acht – seine beste Weltcup-Platzierung ever. „Der Lauf war flüssig, genau wie ich ihn mir Tag für Tag vorstelle“, sagte Grammel, der nun auch das Finale in Lillehammer gebucht hat.

Stockinger startete als 21. und schloss als 13. ab – acht Plätze gut gemacht, 20 Punkte eingesackt, Ticket gelöst. „Die Last fällt runter“, atmete er durch. Nur Alexander Schmid musste als 31. früh umdrehen – und verpasst damit wohl nicht nur den zweiten Lauf, sondern auch das Saisonfinale.

Die Rechnung bleibt offen: Odermatt führt mit 48 Punkten vor Braathen, doch der Druck sitzt nun beim Schweizer. Das letzte Riesentorlauf-Kapitel schreibt sich am 24. März in Lillehammer – und wer weiß, vielleicht fliegt Braathen bis dahin schon zwischen São Paulo und der Piste.