Boston-marathon: geschichte schreibt sich neu – und astronautin williams kämpft mit
Der Boston-Marathon, das älteste Straßenrennen der Welt, steht vor einer weiteren Auflage voller Dramatik und persönlicher Geschichten. Am kommenden Montag wird die 130. Ausgabe des prestigeträchtigen Events auf die Straßen gebracht, und nicht nur die Jagd nach Rekorden wird im Mittelpunkt stehen, sondern auch die Erinnerung an eine bewegte Vergangenheit.
Ein rennen voller tradition und tragödie
Seit 1897, inspiriert von den ersten modernen Olympischen Spielen, ist der Boston-Marathon ein fester Bestandteil der Sportwelt. Er gehört zu den sogenannten „Major Marathons“ – neben London, Berlin, Chicago, New York und Tokio – und zieht jährlich Tausende von Läufern aus aller Welt an. Die Veranstaltung, traditionell am Patriot’s Day, dem dritten Montag im April, gefeiert, erinnert an die Schlachten von Lexington und Concord, die entscheidend für die amerikanische Unabhängigkeit waren. Einzig 2020, aufgrund der globalen Pandemie, und 2021, mit einer Verschiebung auf Oktober, fiel der Marathon von seinem angestammten Termin ab.
Selbst die beiden Weltkriege konnten die jährliche Austragung nicht unterbrechen, ein Zeugnis für die Widerstandsfähigkeit und die tiefe Verwurzelung des Rennens in der amerikanischen Kultur. Doch der Marathon ist auch mit einer dunklen Stunde verbunden: Im Jahr 2013 erschütterten Terroranschläge das Rennen, bei denen drei Menschen starben und über 270 verletzt wurden. Die Täter, die Brüder Dzhohar und Tamerlán Tsárnayev, erschütterten nicht nur die Laufgemeinschaft, sondern das ganze Land.

Pionierarbeit für inklusion: die neue kategorie für nicht-binäre athleten
Der Boston-Marathon hat sich in Sachen Inklusion als Vorreiter erwiesen. 2023 führte er als erster der Major Marathons eine Kategorie für Athleten an, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen, ein Schritt, der die Vielfalt im Sport zelebriert, auch wenn bisher keine Preisgelder ausgeschüttet werden. Ein Zeichen, das andere Marathons wie New York City gefolgt sind.

Eine astronautin an der startlinie: sunita williams’ comeback
Eine Geschichte, die besonders die Blicke auf sich zieht, ist die von Sunita Williams. Die ehemalige NASA-Astronautin, die 2007 als erste Frau einen Marathon auf der Internationalen Raumstation absolvierte, steht nach einigen Anläufen wieder an der Startlinie. „Ich bin ein bisschen älter, ein bisschen langsamer, aber das ist okay“, sagte Williams, die im Dezember ihren Rücktritt von der NASA bekanntgab und über 62 Stunden an Weltraumspaziergängen und 608 Tage im All vorweisen kann. Ihr Ziel ist klar: die Ziellinie erreichen – ein Triumph der menschlichen Ausdauer, der die Grenzen des Möglichen neu definiert.

Hohe prämien locken die elite
Neben der historischen Bedeutung und den persönlichen Geschichten locken auch die hohen Preisgelder die internationale Elite an. Der Sieger in der Männer- und Frauenwertung kann sich über 150.000 US-Dollar freuen, der Zweitplatzierte erhält 75.000 US-Dollar. Für einen neuen Streckenrekord winkt sogar ein Bonus von 50.000 US-Dollar. Die Rennen der Elite starten am Montag um 9:30 Uhr Ortszeit (15:30 Uhr in Deutschland).
Die Strecke führt von Hopkinton zum Herzen von Boston, mit der Ziellinie auf der Boylston Street. Für alle, die es nicht live erleben können, wird der Marathon auf Eurosport und Movistar übertragen. Die 130. Ausgabe des Boston-Marathons verspricht ein Spektakel zu werden, das Geschichte schreibt – sowohl im sportlichen Sinne als auch in der Erinnerung an eine Stadt, die aus der Tragödie gestärkt hervorgegangen ist.
