Bologna wirft milano aus dem gleichschritt – meisterschaft plötzlich offen

Die Segel streichen, die Krone wackelt. Virtus Bologna hat mit 89:83 Milano niedergekämpft und die scheinbar sichere Tabellenführung der Olimpia in Scherben geschlagen. Ohne ihren verletzten Spielmacher starben die Mailänder vor 9.000 wütenden Fans in der Segafredo Arena den schnellen Tod – und sahen am Ende ihrer 16-Spiel-Siegesserie die Meisterschaft plötzlich mit neuen Augen.

Die titelkampf-physiognomie verändert sich minütlich

Der Sieg wirkt wie ein Schnitt durch die Ligageschichte: Bologna springt auf zwei Punkte heran, Brescia und Venezia folgen als Schatten mit vier beziehungsweise sechs Zählern Rückstand. Die Frage ist nicht mehr, ob Milano die Regular-Season souverän beendet, sondern ob sie überhaupt noch Heimvorteil behält. Denn die Formkurve zeigt nach unten: In den letzten fünf Partien kassierte die Olimpia 312 Punkte – so viel wie zuletzt vor drei Jahren.

Was niemand auf der Favoritenrolle der Lombarde einkalkuliert hatte, war die Energie von Isaïa Cordinier. Der Franzose versenkte in den letzten 67 Sekunden zwei Dreier und einen Put-back, bevor Milano noch einmal auf 81:83 verkürzte. Danach war Schluss. „Wir haben gezeigt, dass Herz nicht verletzt ist“, sagte Bolognas Coach Luca Banchi, während Milano-Sportdirektor Christos Stavropoulos nur den Kopf schüttelte: „Wir haben den Gegner leben lassen – und der hat gebissen.“

Playoff-rennen wird zur raserei

Playoff-rennen wird zur raserei

Hinten herum brodelt es noch wilder. Reggio Emilia und Varese fuhren ihre vierte respektive dritte Niederlagen-Serie und schieben sich mit Tortona auf Platz acht – alle bei 28 Punkten. Dahinter lauern Udine und Cremona mit je zwei Zählern Rückstand. Fünf Klubs, ein Ticket. Die nächsten fünf Spieltage werden über Kurzarbeit, Sommerurlaub oder Playoff-Prämien entscheiden.

Den besten Einzelwert lieferte Trayvon Bluitt – 26 Punkte, 8 Rebounds, 6 Assists gegen Pesaro –, doch die Headlines gehören Daniel Hackett. Der Nationalspieler feierte nach fünfwöchiger Verletzungspause sein Comeback, spielte 17 Minuten und schoss Milano fast alleine aus der Krise. „Ich bin kein Wunderheiler“, sagte er, „aber ich bin zurück.“ Ob das reicht, wird sich zeigen: In zwei Tagen wartet bereits das nächste Spitzenspiel in Sassari.

Die Liga atmet auf. Die Fans in Bologna feiern eine Saison, die plötzlich wieder eine Meisterschaft werden kann. Und Milano? Muss beweisen, dass die Krone nicht nur glänzt, sondern auch hält. Die 22. Spieltag hat die Meisterschaft neu gemischt – und das Drama nimmt erst seinen Anfang.