Biathlon: ein italiener steckt hinter frankreichs olympia-dominanz

13 Medaillen, ein neuer Rekord für Frankreich – und mittendrin ein Mann aus dem Aostatal. Patrick Favre, valdostanischer Schießtrainer, hat bei den Olympischen Spielen in Anterselva still und leise Geschichte geschrieben. Zusammen mit Paul Giachino betreut er das französische Frauenteam rund um Julia Simon – und die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache.

Frankreichs frauen tragen das erbe

Von den 13 französischen Medaillen in Anterselva gingen 7 an die Frauen: drei Gold, drei Silber, ein Bronze. Dazu kommt noch das Gold in der gemischten Staffel. Das ist kein Zufall, das ist System. Während bei den Männern – trotz des Vermächtnisses von Martin Fourcade – die Ergebnisse bescheidener ausfielen, hat das Frauenteam eine Konstanz entwickelt, die andere Nationen schlicht noch nicht erreicht haben.

Was frankreich anders macht – und warum das zählt

Favre kennt beide Welten. Er hat in der Vergangenheit auch mit der italienischen Nationalmannschaft gearbeitet und sieht den Unterschied zwischen dem transalpinen und dem azzurren Ansatz mit klarem Blick. Das französische Modell setzt auf frühe Spezialisierung beim Schießen, enge Verzahnung zwischen Konditions- und Schießtraining – und vor allem auf eine Kontinuität in der Betreuung, die im italienischen System so nicht existiert.

Der entscheidende Punkt: In Frankreich wird das Schießen nicht als Ergänzung zur Laufleistung behandelt, sondern als eigenständige Disziplin mit eigenen Trainern, eigener Methodik, eigenem Kalender. Favre bringt genau diese Philosophie mit – und das französische Frauenteam ist ihr lebendes Ergebnis.

Ein italiener mit französischem herz

Es ist eine dieser kleinen Ironien des Sports: Während Italien nach Wegen sucht, im Biathlon international aufzuschließen, trägt ein Italiener dazu bei, dass der direkte Konkurrent immer weiter davonzieht. Favre selbst bezeichnet sich als Techniker, nicht als Nationalist. Sein Werkzeug ist die Präzision – auf dem Schießstand und in der Trainingsplanung.

Die Olympischen Spiele in Anterselva haben gezeigt, dass Frankreichs Dominanz im Biathlon kein vorübergehendes Hoch ist. Sie ist das Ergebnis jahrelanger struktureller Arbeit. Und ein Stück davon trägt einen italienischen Pass.