Bh-regen stoppt pwhl-spiel – seattle-fans feiern feministische aktion
Kurz vor Mitternacht Ortszeit flogen sie plötzlich durch die kalte Arenaluft: Tausende Sport-BHs landeten mit einem weichen Puff auf dem Eis der Climate Pledge Arena und zwangen Schiedsrichter wie Spielerinnen zu einer kurzen Pause. Der Grund: eine Spendenaktion der Organisation Bras for Girls, die mit dem spektakulären Wurf auf das Frauen-Eishockey-Highlight zwischen Seattle Torent und Boston Fleet aufmerksam machte.
Die Aktion war lange geplant, aber selbst Mitarbeiter der PWHL blieben vor Spielbeginn im Dunkeln. Erst in der 28. Spielminute schwenkte Sekunden später ein Chorstimmen-„Now!“ durch Block 121 – und die Textil-Lawine nahm ihren Lauf. Die Spielerinnen beider Teams starrten zunächst irritiert, dann lachend auf das rosafarbene Tuch, das sich zwischen blauen Linien und Bullypunkten ausbreitete. Die Schiedsrichter unterbrachen das Spiel für exakt acht Minuten, während Stadionarbeiter Schaufeln und grobe Harke rannten, um die Unterwäsche zu sammeln.

Spendenrekord inklusive powerplay
Was wie ein Spaß aussieht, hat handfeste Zahlen: Über 4.200 neue und saubere Sport-BHs flogen gestern über die Bande. Sämtliche Stücke werden jetzt an Mädchen- und Frauenorganisationen in Washington State verteilt, die Zugang zu adäquatem Sportequipment fehlt. „Jeder BH kostet im Schnitt 35 Dollar, das sind 147.000 Dollar an Spenden – in unter fünf Minuten“, rechnet Gründerin Alicia Edmonds auf Instagram. Die Boston Fleet nutzte die kurze Unterbrechung sogar, um in Unterzahl ein Powerplay-Tor zu erzielen; das 2:1 sollte letztlich zum 4:3-Sieg reichen.
Die Liga selbst reagierte schnell: „Wir prüfen, wie wir künftige Charity-Aktionen ins Spielgeschehen integrieren, ohne die Sportlichkeit zu beeinträchtigen“, sagte PWHL-Sprecherin Lisa Miles. Dabei stellt sich die Frage, warum ein Fanwurf, der weltweit für Aufmerksamkeit sorgt, überhaupt angezeigt ist. Die Antwort liefert TV-Experte und Ex-Nationalspielerin Meghan Duggan: „Fraueneishockey lebt von Kreativität und Community. Wenn wir Tausende neue Zuschauer erreichen, nur weil ein BH durch die Luft segelt, haben wir gewonnen.“
Die Aktion erinnert an das berühmte „Teddy Bear Toss“ der kanadischen Juniorenligen – nur dass hier kein Kuscheltier, sondern ein Kleidungsstück mit sozialer Botschaft im Mittelpunkt steht. Und die Botschaft kam an: Die Hashtags #BrasForGirls und #PWHL stiegen in den USA in die Top-10 der Twitter-Trends. Selbst Boston-Fans applaudierten trotz Niederlage, als die Kiste mit den gesammelten BHs an den Rinkrand rollte.
Für Seattle Torent war der Vorfall ein willkommener Nebenschauplatz, um die eigene Marke zu pushen. Die Franchise verkaufte in den ersten 24 Stunden nach dem Spiel 1.300 zusätzliche Tickets für die kommenden Heimspiele – ein Plus von 27 %. „Wir wollen zeigen, dass Frauensport nicht nur Leistung, sondern auch Spaß und gesellschaftliche Relevanz bietet“, sagt Geschäftsführerin Maya Rogers. Nächste Wende: Bras for Girls kündigt bereits an, bei den Playoffs erneut zuzuschlagen – dann möglicherst mit pinken Sporttops, die per Drohne aufs Eis gelenkt werden.
Die Zahlen sind klar: Ein simplen Fanwurf verwandelte sich in eine Spendenlawine von fast 150.000 Dollar, bescherte der Liga weltweite Schlagzeilen und bewies, dass Fraueneishockey bereit ist, über das Eis hinauszuwachsen. Die nächste PWHL-Runde findet am Freitag statt – diesmal ohne BH-Regen, verspricht die Liga. Ob das Versprechen hält, wird sich zeigen. Denn nach dem gestrigen Abend wissen wir: Wenn Frauensport und Aktivismus sich treffen, kann selbst ein Kleidungsstück die Grenzen der Arena sprengen.
