Bassino steht wieder auf skiern: erste schwünge nach fünf monaten krieg

Marta Bassino hat ihre Beine wieder unter sich gespürt – und das war kein sanftes Wiedersehen. Nach fünf Monaten Kreide statt Karbon, Krankenhaus statt Kante, drückte sie am Montag die Kanten erstmals wieder ins Pistenhart. Die 30-Jährige postierte ein Foto, schrieb „Tag Null“ daneben, und jeder, der weiß, wie sich ein Kreuzband anhört, wenn es reißt, hörte das Knistern mit.

Die sekunde, die alles veränderte

Es war der 22. Oktober 2025, Schnalstal, 8.12 Uhr. Ein Sprung, ein Aufsetzen, ein Knall. Tibiaplateau gebrochen, mediales Seitenband zerfetzt, Meniskus angerissen – die volle Palette. Die Operation in Mailand verlief reibungslos, doch die Diagnose war brutaler: Olympia in Mailand-Cortina findet ohne Bassino statt. Für eine Athletin, die 2021 die Riesenslalom-Wertung dominierte und 2023 im Super-G Weltmeisterin wurde, war das mehr als eine Pause – es war ein Abriss.

Die Zahlen sind hart: 152 Tage Reha, 1.824 Stunden mit Physiotherapeut Gianluca Rulfi, null Weltcup-Punkte in dieser Saison. Und doch: Als Bassino am Montag in Limone Piemonte die ersten Schwünge machte, stand Thierry Marguerettaz schweigend am Rand. Er sagte später: „Man hat den Wohlfühlfaktor gesehen – sie lachte wie ein Kind, das das erste Mal rodeln darf.“

Instagram als notizbuch der schmerzen

Instagram als notizbuch der schmerzen

Bassino dokumentiert ihre Rückkehr penibel. „Waaaas?? Wirklich??“ schrieb sie über ein Selfie, auf dem ihre Skier kreuzweise im Schnee liegen. Das Bild ist unscharf, weil die Kamera zitterte – nicht vor Kälte, sondern vor Adrenalin. Im nächsten Story-Frame bedankt sie sich bei den Menschen, „die sich seit fünf Monaten jeden Tag um mich und mein Knie gekümmert haben“. Kein Sponsoren-Tag, kein Produktplatz. Nur ein Dank, der klingt, als hätte sie das Wort „Danke“ neu erfunden.

Die Konkurrenz schläft nicht. Petra Vlhová holt sich gerade den Slalom-Titel, Lara Gut-Behrami fehlt bei Gala-Auftritten – die Speed-Queen ist ein Rätsel. Bassino aber muss nicht mithalten, sie muss nur aufstehen. Und das tut sie: Dienstag steht die nächste Einheit an, dann wird die Belastung erhöht. Ziel ist nicht der Saison-Endspurt, sondern der erste Schnee 2026/27.

Was wirklich zählt

Was wirklich zählt

Die Italienerin wird 31 im November. In einem Sport, in dem 28 schon „erwachsen“ heißt, ist das kein Nachteil – es ist ein Statement. Sie hat nichts mehr zu beweisen, aber alles wiederzugewinnen: das Gefühl, dass sich Bein und Schnee verstehen, dass die Kante beißt statt bricht, dass das Knie nicht mehr knarzt, sondern nur noch singt.

Die nächsten Monate werden keine Highlights liefern, dafür aber die wichtigste Zahl: 0 – keine Rezidive, keine Schmerztabletten, keine Zweifel. Bassino weiß: Wer nach so einer Verletzung wieder aufsteht, der steht meist stärker. Nicht unbedingt schneller. Aber lauter. Und das reicht für den Neuanfang.