Monney schlägt odermatt im training – die geheime kugel

Alexis Monney hat in diesem Winter keine kleine Kristallkugel gewonnen. Und trotzdem war er der Beste. Zumindest dort, wo die Kameras weniger hinschauen und die Punkte nicht zählen: im Abschlusstraining der Abfahrt.

Der trainingsweltmeister, den niemand auf dem zettel hatte

Ich habe mir die Mühe gemacht, alle Abschlusstrainings der Abfahrtssaison 2025/26 auszuwerten – neun Rennen, von Beaver Creek bis Kvitfjell – und die Ergebnisse nach Weltcup-Punkteschlüssel berechnet. Das Resultat ist eindeutig: 392 Punkte für Monney, der damit souverän an der Spitze steht. Der Franzose Nils Allègre folgt mit 380 Punkten auf dem Fuß, Mattia Casse komplettiert das imaginäre Podest mit 305 Zählern.

Was Monneys Dominanz so bemerkenswert macht, ist nicht eine einzelne Glanzleistung, sondern die schiere Konstanz. In keinem der neun Abschlusstrainings klassierte er sich schlechter als auf Rang 13. Dreimal stand er auf dem Trainingspodest. In zwei Dritteln aller Abschlussläufe fuhr er unter die Top 5. Das ist keine Zufallsserie – das ist ein Fahrer, der die Strecke liest wie andere die Zeitung.

Odermatt taktiert, monney gibt gas

Odermatt taktiert, monney gibt gas

Und dann ist da Marco Odermatt. Dreifacher Abfahrtskugel-Gewinner in Serie, unbestrittener König der Piste – und in dieser Auswertung nur auf Rang 9 mit 241 Punkten. Das klingt nach einer Schwäche. Es ist aber das Gegenteil. Odermatt fährt im Training mit angezogener Handbremse, testet Linienvarianten, bricht den Schwung vor der Ziellinie bewusst ab. Die Konkurrenz soll ruhig rätseln.

Monney hingegen braucht die schnelle Trainingszeit. Er tankt Selbstvertrauen über Tempo, nicht über Taktik. Das ist kein Fehler – es ist schlicht eine andere Philosophie. Und in diesem Winter hat sie funktioniert, zumindest als Sprungbrett: Sein zweiter Rang in Garmisch war der Beweis, dass er die Trainingsform auch ins Rennen übersetzen kann, wenn alles stimmt.

Der fall franjo von allmen – oder: wie man trainings ignoriert

Der fall franjo von allmen – oder: wie man trainings ignoriert

Das extremste Gegenbeispiel zu Monney ist Franjo von Allmen. Der 24-jährige Olympia-Dreifachsieger hat in den Abschlusstrainings regelrecht gebummelt. 47 Punkte insgesamt, nie besser als Rang 17. Wer nur diese Zahlen kennt, würde ihn für einen Mitläufer halten. Wer seine Rennresultate kennt, weiß: Von Allmen ist eine Rennsau reinsten Wassers. Er dreht erst auf, wenn es wirklich zählt.

Das zeigt, was diese Statistik leisten kann und was nicht. Sie ist kein Ersatz für die Weltcupwertung. Aber sie ist ein Röntgenbild des Fahrercharakters.

Casse – das ewige dilemma des vollgasfahrers

Casse – das ewige dilemma des vollgasfahrers

Mattia Casse ist mit 36 Jahren der Älteste im imaginären Trainingspodest – und gleichzeitig derjenige, der das grundlegende Problem dieser Statistik am deutlichsten verkörpert. In Crans-Montana und Garmisch schnappte er sich die Bestzeit im Abschlusstraining. Zweimal Schnellster. Klingt gut. Ist es aber nicht immer, denn wer im Training alles gibt, hat für das Rennen nichts mehr in der Hinterhand. Casse kennt dieses Dilemma seit Jahren – und löst es trotzdem nicht.

Als zweitbester Schweizer in dieser Wertung übrigens: Stefan Rogentin auf Rang 6, noch vor Odermatt. Der Bündner fuhr zweimal aufs Trainingspodest. Im Rennen gelang ihm das in diesem Winter genau einmal – als Dritter in Garmisch, beim historischen Schweizer Dreifachsieg.

Was diese zahlen wirklich verraten

Was diese zahlen wirklich verraten

Die Tabelle der Trainingsweltmeister ist mehr als eine Spielerei für Statistikfans. Sie zeigt, wer die Strecke sofort im Griff hat, wer Material und Körper schon in der Übungsfahrt an die Grenzen treibt – und wer die Karten bewusst verdeckt hält. Monney gehört zur ersten Kategorie. Seine 392 Punkte sind ein Versprechen für die Zukunft. Die eigentliche Frage der Saison 2026/27 lautet nicht, ob er im Training schnell ist. Das wissen wir. Die Frage ist, ob er die Kristallkugel, die ihm im Training längst gehört, endlich auch aus dem Rennen mitnimmt.