Tahiri bleibt: tsv steinbach haiger weist spieler-aufstand zurück
Ein Mausklick genügte, um den TSV Steinbach Haiger in den Ausnahmezustand zu versetzen. Die verschwörerische E-Mail, die sich am Montag im Postfach von Vorstandssprecher Roland Kring fand, liest sich wie ein Rebellen-Manifest: „Klima der Angst“, „Respektlosigkeit“, „vergiftete Atmosphäre“. Unterschrieben soll sie von „der Mannschaft“ sein. Doch die Faktenlage lügt den Aufstand binnen 24 Stunden Löcher in den Rumpf.
Was wirklich hinter der mail steckt
Kring bestätigt auf HR-Nachfrage, dass intern geredet wurde – und das Ergebnis vernichtend ist: „Es sind ein, maximal zwei Spieler, die sich hier als Sprachrohr aufspielen.“ Der Rest der Kabine distanziere sich. Konsequenz: null. Hüsni Tahiri, seit dreizehn Jahren Dauergast in Haiger, zieht am Samstag mit dem Team nach Alzenau, als wäre nichts gewesen. Keine Suspendierung, kein internes Arbeitszeugnis, kein Rücktrittsdruck.
Der Coach selbst lässt die Vorwürfe abprallen wie Regen an Goretex. „Ich bin Fußballtrainer, kein Therapeut“, sagt er knapp und verweist auf das nächste Spiel. Die Ablenkung kommt ihm ungelegen: Nach fünf Pleiten in Folge hatte der 2:1-Sieg gegen Barockstadt Fulda-Lehnerz die Saison wieder in die Realität zurückgeholt. Zwei Spieler, Manu und Guthörl, mussten trotzdem bleiben – suspendiert wegen „vereins- und mannschaftsschädigenden Verhaltens“. Deren Anwalt hat bereits mit rechtlichen Schritten gedroht. Die Parallelen sind kein Zufall.

Warum der verein jetzt durchgreift
Kring lässt keinen Zweifel: Wer glaubt, mit einer anonymen Rundmail den Trainer stürzen zu können, unterschätzt den Machtfaktor Vorstand. „Wir springen nicht auf jeden Zug auf, der gerade dampft.“ Stattdessen droht er mit personellen Konsequenzen – auf Spielerseite. Die Botschaft ist klar: Tahiri ist Teil der DNA des Klubs, seine Amtszeit ein offenes Tabu. Wer dagegen revoltieren will, muss den Platz wechseln.
Die Regionalliga Südwest ist ohnehin ein Pulverfass. Mit 42 Spieltagen, Dauerbusfahrten nach Elversberg oder Homburg und Gehältern, die kaum die Miete in Frankfurt decken, schlummert Frust in jeder Kabine. Tahiri aber hat die Lizenz zum Alleinherrscher: Er kennt jeden Rückraum, jeden Sponsor, jeden Hobby-Funktionär. Wer ihn loswerden will, muss den ganzen Laden abreißen.
Am Samstag um 14 Uhr in Alzenau wird sich zeigen, ob die Revolte endgültig verpufft ist oder ob die E-Mail nur der erste Schuss in einen längeren Machtkampf war. Tahiri wird an der Seitenlinie stehen, Kring auf der Tribüne. Und die Kabine? Die wird vor dem Bus schweigen – wie so oft in der Provinz, wo Loyalität keine Frage des Herzens, sondern des Vertrags ist.
