Basel raubt winterthur hoffnung – hitz hält den tabellenletzten auf talfahrt

Winterthur – Marwin Hitz war nicht nur im Tor, er war ein Wall. Der FC Basel entführte am Sonntagabend drei Punkte aus der Schützenmatte, doch die Heldenrolle gehörte dem Tabellenletzten. Die Eulachstädter schossen sich in Rage, trafen nur den Aluminium oder den Schweizer Nationalkeeper. Am Ende bleibt für Winterthur die Erkenntnis: Selbst ein perfekter Tag reicht nicht gegen eine Mittelmäßigkeit mit Weltklasse im Kasten.

Hitz lacht, weil er es kaum glauben kann

„Wir haben heute gegen einen sehr guten Tabellenletzten gespielt“, sagte Hitz mit jenem Grinsen, das man sonst nur bei Lotteriegewinnern sieht. Die Statistik nennt den Sieg verdient – das Gefühl auf dem Rasen sagt: Glück. Schon nach neun Minuten parierte er den Penalty von Roman Buess, spätestens da wusste Winterthur: Es wird wieder nichts.

Die Zahlen sind brutal: 17 Torschüsse für die Gastgeber, nur vier auf das Basler Tor. Trotzdem steht am Ende 2:0 für Basel, weiß danach, dass die Meisterfrage in St. Gallen noch offen bleibt und Luzern sowie Lausanne am letzten Spieltag zittern müssen. Winterthur dagegen hat nur noch theoretische Chancen, den Abstieg abzuwenden.

Die mentalitätsfrage war entschieden, nicht die qualität

Die mentalitätsfrage war entschieden, nicht die qualität

Flavius Daniliuc sprach postwendend von einer „überzeugenden Mentalitätsleistung“. Das klingt nach PR-Sprech, ist aber das einzige, was übrig blieb. Die Basler Defensive wackelte, das Mittelfeld verlor zweite Bälle wie am Fließband, und trotzdem: Die Punkte wandern in die Rheinstadt. „Hier zu gewinnen ist nicht einfach“, sagte der Österreicher, als hätte er selbst kaum mitgerechnet.

Der Grund ist schnell erzählt: Vier Siege aus den letzten fünf Partien. Das rettet Trainer Timo Schultz den Job – vorerst. Doch der Blick auf die Spieldaten offenbart: Die Basler Heilung ist kein Trend, sie ist ein Strohfeuer. Die erwarteten Tore (xG) lagen bei 1,1 für Basel, bei 2,3 für Winterthur. Die Gäste kamen also auf halbe Chancen, die Hausherren auf doppelte. Nur das Resultat zählt, lautet die alte Weisheit. Und die gilt auch dann, wenn sie unfair ist.

Winterthur spielt sich in die kurve – und trotzdem runter

Winterthur spielt sich in die kurve – und trotzdem runter

Trainer Ralf Loßmann hatte seine Mannschaft auf Dreierkette umgestellt, die Laufwege passten, die Aggressivität war da, wo sie sein muss: im Gesicht des Gegners. Doch die Chancenverwertung blieb schlecht. Das ist kein neues Problem, es ist das Urproblem. Und es wird zur Todesursache.

Die Stimmung in der Kabine? „Wie nach einer Niederlage, die man sich selbst eingebrockt hat“, sagte Kapitän Granit Lekaj. Keiner redet mehr vom Play-out, alle reden vom Abstieg. Die Rechnung ist gnadenlos: Selbst bei einem Sieg im letzten Spiel in Luzern und gleichzeitiger Niederlage von Lausanne reicht es nur, wenn die Berner Young Boys in St. Gallen patzen. Ein Drei-Pakt-Wunder. Winterthur hat es nicht mehr in der Hand.

Basel dagegen kann am Finaltag gegen YB sogar noch Vizemeister werden, sollte St. Gallen in Luzern stolpern. Die Saison, die als Desaster begann, endet möglicherweise mit Europa-League-Vorgruppen. Der Fußball bleibt ein Meister der Ironie.

4.900 Zuschauer in der Schützenmatte werden sich an den Abend erinnern, an dem ihr Team alles richtig machte – außer das Runde ins Eckige zu befördern. Marwin Hitz wird sich an nichts erinnern, außer dass er ein paar Bälle wegparierte und am Ende doch wieder lachte. Der Rest ist Statistik. Und Statistik spielt keine Spiele, sie schreibt nur das, was bleibt.