Barça steht mit dem rücken zur wand: yamal muss, aber er darf nicht allein bleiben
Am Dienstag in Madrid droht dem FC Barcelona das Aus in der Champions League – und mit ihm dem 17-jährigen Lamine Yamal der erste echte Kratzer in seinem noch jungen Mythos. Das 0:2 aus dem Hinspiel lastet wie Blei auf den Schultern des Teenagers, der gegen Atlético zwar dribbelte, bis die Sohlen glühten, aber am Ende doch nur gegen Mauern lief.
Die nacht, in der rashford verschwand und yamal blieb
Was in der ersten Halbzeit noch nach offener Rechnung aussah, endete nach der Pause als Solovorstellung ohne Publikum. Marcus Rashford, der einzige Partner mit Tempo und Tiefe, wurde ausgewechselt – und mit ihm die letzte Bedrohung für die tiefe Viererkette von Diego Simeone. Von da an war Yamal doppelt und dreifach gedeckt, sein Gegenspieler Nahuel Molina plus Koke plus Hermoso, ein Dreiecksverhör aus Ellenbogen und Laufschlitzen. Jedes Mal, wenn der Flügelspieler innen zog, schob sich ein zusätzlicher Rojiblanco vor den Schusspfad. 13 Ballkontakte im letzten Drittel, aber kein einziger Torschuss. Die Statistik liest sich wie ein Absagebrief.
Doch das Problem ist größer als ein 17-Jähriger, der an einem Abend nicht strahlte. Robert Lewandowski agierte wie ein Gast auf eigener Feier, 13 Pässe in 90 Minuten – davon fünf rückwärts. Ferran Torres hat seit 13 Pflichtspielen nicht mehr getroffen, sein letzter Treffer datiert vom 19. Januar. Fermín López und Dani Olmo liefen sich in den von Atlético bereitgestellten Stolperdraht, Raphinha fehlt im Rückspiel komplett. Die Zahren sind längst keine Ausrede mehr, sie sind ein Muster.

Wenn camp nou schweigt, klingt madrid lauter
Barça hat in seiner Europapokal-Historie noch nie einen Zwei-Tore-Rückstand auswärts aufgeholt. Drei Mal gelang die Wende nach einem 0:2 – immer im eigenen Stadion. Das 0:2 vom vergangenen Mittwoch war die achte Heimniederlage der Saison, so viele wie seit 2003 nicht mehr. Die Luft im Spotify Camp Nou war nach der Roten Karte für Pau Cubarsí zum Schluss so dünn, dass selbst die eigenen Schreie wieder nach innen fielen.
Trainer Hansi Flick betonte vor dem Hinspiel, er werde Yamal „auch nach Fehlern schützen“. Schutz allein reicht aber nicht, wenn das Kollektiv nicht mitzieht. Atlético wird erneut mit der Kettenreaktion aus 5-3-2 antreten, die Räume zwischen den Linien so eng ziehen, dass selbst ein Moped kaum durchpasst. Um dieses Bollwerk zu sprengen, braucht es nicht nur Yamals Zauber, sondern Läufe ohne Ball, vertikale Drittstürmer, Schüsse aus der zweiten Reihe – kurz: Mitspieler, die sich in die Schussbahn statt in die Büsche stellen.
Die Wahrheit klingt hart: Wenn Lewandowski weiterhin nur Statist ist, wenn Ferran seine Trockenheit nicht bricht, wenn kein Mittelfeldspieler die Strafraumkante besetzt, dann kann Yamal dreimal den Ball am Fuß kleben – er wird trotzdem scheitern. Das Madrider Metropolitano wartet auf den nächsten großen Europapokal-Abend. Für Barcelona droht das kleine Ende eines großen Traums. Die Uhr tickt. Und sie tickt laut für alle, nicht nur für einen Jungen, der noch keine Stimme hat, aber schon die ganze Last trägt.
